BUND Landesverband Berlin

Die Wasserstandsmeldungen

14. Mai 2021 | BUNDzeit-Artikel, Flüsse & Gewässer, Naturschutz, Wasser

Während für den Oder-Ausbau der Hochwasserschutz herhalten muss, geht anderen Gewässern in Berlin und Brandenburg das Wasser aus. BUND-Aktive initiieren unterdessen ein Wassernetz.

Trockene Tümpel
Berlins Teiche und Pfuhle sind in keinem guten Zustand. Das zeigt der BUND-Kleingewässerreport, der 237 stehende Gewässer in Hellersdorf-Marzahn, Reinickendorf, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg untersucht hat. Bei 124 Kleingewässern stellt der Report Mängel fest: 43 Prozent sind trockengefallen oder enthalten nur noch Restwasser, 41 Prozent leiden unter Verlandung (Sukzession durch Röhricht und andere Pflanzen), 9 Prozent der Gewässer sind nicht mehr als solche zu erkennen (ausgetrocknet, überwachsen, zugeschüttet). Seltenere Mängel sind Verschattung, Uferverbau, Übernutzung, Fischbesatz nicht heimischen Arten, übertriebene Pflege des Umfelds und Isolation von anderen Biotopen.

Die Befunde decken sich mit den schon länger beobachteten Trends: Niederschlagsdefizit, Grundwasserrückgang und mangelnde Pflege, die zur Verlandung führt. Genau diese Probleme nennt die 2017 aktualisierte Rote Liste der Lurche als Gründe dafür, dass bei sieben von elf in Berlin vorkommenden Amphibienarten ein starker bis sehr starker Rückgang festgestellt wurde. Bemerkenswert ist auch, dass fast ein Viertel der untersuchten Kleingewässer in den Kartenwerken und Listen der zuständigen Verwaltungen gar nicht auftauchen. Der BUND fordert daher, die Berliner Kleingewässer systematisch zu erfassen und zu beobachten. Um die Amphibienbestände zu sichern, muss ein Notfallplan her. Außerdem müssen die Kleingewässer in die Maßnahmenpläne der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) aufgenommen werden.
www.BUND-Berlin.de/kleingewaesserreport

Die Wassernetz-Initiative
Bis spätestens 2027 sollen sich alle Gewässer Europas in einem guten Zustand befinden. Das legt die WRRL fest. Eigentlich hätte dieses Ziel bereits 2015 erreicht werden müssen. Davon sind in Berlin nicht nur die Kleingewässer, sondern auch die Seen und Fließgewässer weit entfernt. In Bundesländern wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen hat sich gezeigt, dass der überaus komplexe Prozess zur Umsetzung der WRRL vor Ort besser läuft, wenn ihn ein Netzwerk aus Naturschutzverbänden, Wasserinitiativen und einzelnen Wasserinteressierten begleitet. Ein solches Wassernetz möchte der BUND nun auch für Berlin knüpfen. Mit den Interessierten sollen beispielsweise gemeinsame Stellungnahmen zu den WRRLBewirtschaftungsplänen erarbeitet, Weiterbildungsangebote für wasserinteressierte Berliner*innen angeboten und praktische Aktionen an Gewässern vor Ort organisiert werden.
www.BUND-Berlin.de/wassernetz

Oderausbau stoppen
Als Grund für die mit Polen vereinbarten Ausbaumaßnahmen dient auf wenig überzeugende Art der Hochwasserschutz – vorgeblich soll der Grenzfluss für den Einsatz von Eisbrechern ausgebaut werden, die etwaigen Wasserstau durch verkeilte Eisschollen lösen können. Vor allem die Überlegungen zur „Klützer Querfahrt“ zeigen aber, dass es eher um Wirtschaftsförderung geht. Die deutsche Seite fordert, diesen Oderarm zu vertiefen, damit Küstenmotorschiffe Schwedt und die dortige Papierfabrik erreichen können. Dem will die polnische Seite aber nur zustimmen, wenn im Gegenzug die Oder für große Binnenschiffe ausgebaut wird. Über 4.000 Bürger*innen haben die Brandenburger Landesregierung in einer Petition aufgefordert, den Ausbau der Oder aufzugeben.

Niedrigwasserkonzept
Das seenreiche Brandenburg leidet unter Wassermangel. Dass über die ausgedehnten Gewässer viel Wasser verdunstet und in den Sandböden wenig gespeichert wird, ist nicht neu. Überraschend ist eher, dass die Landesregierung erst jetzt ein Niedrigwasserkonzept vorgestellt hat. Allerdings beschränkt sich das Konzept im Wesentlichen darauf, die derzeitigen Zuständigkeiten zu beschreiben. Grenzwerte, deren Unterschreiten einen Mechanismus zur Sicherung der Pegelstände in Gang setzt, sucht man vergebens. Auch der gigantische Wasserbedarf der Braunkohleförderung – der Tagebaubetreiber Leag verbraucht mehr Wasser als alle anderen Brandenburger Verbraucher*innen zusammen – bleibt ausgespart.

Sinkende Pegel in der Lausitz
Besonders schwierig ist die Lage im 20-Kilometer-Umkreis um den Tagebau Jänschwalde, der zur Braunkohleförderung Grundwasser anhebt und abpumpt. Am Pinnower See etwa sank der Pegel nach Beobachtungen von Anwohner*innen seit 1998 um 2,6 Meter. Im vergangenen Jahr leitete die Leag zwar 600.000 Liter Wasser in den bei Wochenendausflügler*innen beliebten See ein, doch das hat das Sinken des Pegels nur verlangsamt. Jetzt droht den Anwohner*innen ein Wasserentnahmeverbot. Die Leag erneut zur Wassereinleitung zu zwingen, lehnt das zuständige Landesbergamt ab, weil es den Tagebau nicht als alleinigen Verursacher sehen möchte.

Der Bock als Gärtner*in?
Im März fand eine mit öffentlichen Mitteln geförderte Veranstaltung mit dem klangvollen Titel „1. Wasserkonferenz Lausitz Bergbau – Wasser – Klima“ statt. Gastgeber war der Verein „Wasser Cluster Lausitz“, in dem langjährige führende Mitarbeiter*innen von ehemals Vattenfall und heute Leag den Ton angeben. Schon im Einladungstext deutete der Lobbyverein das Abpumpen des mit Sulfat und Eisenocker verschmutzten Grundwassers aus den aktiven Tagebauen als ein großzügiges „Bereitstellen“ von Wasser für die Flussbewirtschaftung um. Die „bisher vorbildliche“ Arbeitsweise und Zusammenarbeit von Behörden und Bergbauunternehmen möchte der Verein mit Blick auf den Kohleausstieg gern fortsetzen, schließlich liege „umfassendes Wissen um die Zusammenhänge von Bergbau und Wasserhaushalt“ vor.

Harmlose Beschönigung oder gefährliche Drohung? Sollte es der Leag gelingen, sich als Retterin des Lausitzer Wasserhaushalts zu inszenieren, könnte sie sich leichter um die Bezahlung der Tagebaufolgeschäden drücken, fürchtet der BUND. Wenig hilfreich ist dabei, dass die grünen Umweltminister*innen von Berlin, Brandenburg und Sachsen die Veranstaltung durch ihre Anwesenheit bzw. Videozuschaltung aufgewertet hatten.

Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 2021-2.

 

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