Noch nicht schwammig genug

13. August 2022 | BUNDzeit-Artikel, Garten, Grundwasser, Stadtentwicklung, Stadtnatur, Wasser

Wasser wird knapper in Brandenburg und Berlin. Statt es verdunsten und wegfließen zu lassen, müssen wir es in der Landschaft halten.

Ausgetrocknete Schwarze Elster bei Senftenberg 2018. Foto: Z thomas, CCBY-SA 3.0 (Lizenz unter www.kurzelinks.de/ccbysa3)

Im vierten Dürrejahr seit 2018 scheint sich ein gewisses Muster zu etablieren. Während zum Sommerbeginn die Waldbrände in Brandenburg eine dreistellige Zahl erreicht haben, verbieten die Landkreise im Süden der Mark ebenso wie die Stadt Potsdam, Wasser aus den Oberflächengewässern zu entnehmen. Wie knapp das Nass ist, zeigt sich besonders deutlich südöstlich von Berlin. Um den innerhalb von zehn Jahren um mehr als einen Meter gesunkenen Pegel des Straussees, dessen Strandbad nun im Trockenen liegt, machen sich Anwohnende seit Jahren Sorgen, die nicht kleiner geworden sind, seit mit Tesla ein Giga-Wasserbraucher mitversorgt werden muss. Ende 2021 gab Google seine Pläne für ein Rechenzentrum im nahen Neuenhagen auf, weil die Wasserversorgung nicht gesichert werden konnte. Und Mitte April beschloss der örtliche Wasserverband, den Wasserverbrauch von Neukund*innen auf 105 Liter pro Tag und Person zu beschränken. Ab 2025 soll diese Beschränkung für alle Privatkund*innen gelten.

Derzeit liegt der Wasserverbrauch im Versorgungsgebiet Strausberg-Erkner mit 175 Liter pro Kopf und Tag weit über dem Bundesschnitt von 126 Liter. Verantwortlich dafür sind laut Wasserverband die vielen Wochenendgrundstücke. Gartenaktivitäten wie Rasensprengen und Poolbefüllen dürften auch der Grund dafür sein, dass der Brandenburger Durchschnittsverbrauch zwischen 2016 und 2019 von 111 auf 120 Liter gestiegen ist. Auch in Berlin stieg der Wasserverbrauch auf 119 Liter.

Moore für Rasen opfern?

Während sich die Wasserwerke in erster Linie Sorgen um ihre Leistungsfähigkeit an heißen Sommertagen machen, an denen häufig fast die doppelte Wassermenge wie an Wintertagen verbraucht wird, geht es aus Naturschutzsicht um viel mehr: Berlin und Brandenburg trocknen langsam aus, was sich im beklagenswerten Zustand von Wäldern, Stadtbäumen und Mooren äußert. Das ist nicht nur den geringen Niederschlägen der letzten Jahre geschuldet, sondern auch unserem Umgang mit Wasser.

Einen Teil des Berliner Trinkwassers fördern die Wasserbetriebe im Grunewald, Spandauer Forst und am Müggelsee und graben den benachbarten, als FFH-Gebieten geschützten Mooren das Wasser ab. Dies ist seit Jahren bekannt. Doch die Wasserbetriebe weigern sich, die einzigen Maßnahmen umzusetzen, die die Moore und auf längere Sicht auch die Wälder wirklich schützen, nämlich weniger Wasser zu fördern und die Fördermenge besser zwischen den einzelnen Wasserwerken zu verteilen. Weil auch die verantwortliche Behörde konsequent wegsieht, hat der BUND 2021 zusammen mit anderen Verbänden die Senatsumweltverwaltung verklagt. Ein Urteil ist aber frühestens in einem Jahr zu erwarten. Bis dahin geht der Raubbau am Grundwasser weiter, damit die Berliner*innen Rasen sprengen und Schwimmbecken füllen können.

Gebühren ohne Lenkungswirkung

Freilich sind die Berliner Wasserbetriebe nicht die einzigen, die Wasser ohne Rücksicht auf Verlust der Stadtnatur fördern. Immer mehr Privatleute graben Brunnen in ihren Gärten, die Zahl der jährlichen Bohranträge liegt mittlerweile im oberen dreistelligen Bereich. Beantragt werden müssen allerdings nur Brunnen ab einer Tiefe von 15 Metern; dementsprechend weiß niemand genau, wie viele Gartenbrunnen es in Berlin gibt.

Dasselbe gilt für Brandenburg, nur dass zu den dortigen Unbekannten auch die Landwirtschaft gehört, die zunehmend auf Bewässerung setzt und nur wenig bis nichts dafür zahlt. Folge: Felder werden mittags bei praller Sonne besprenkelt, sodass ein Großteil des Wassers sofort verdunstet.

In der Trockenregion Berlin-Brandenburg steht nichts Geringeres als eine Revolution der Wasserpolitik an. Statt Wasser so schnell wie möglich in Richtung Nordsee abzuleiten, muss es in der Landschaft gehalten werden. Abwässer sollten recycelt und vor allem Grauwasser aus Dusche, Waschmaschine und Küchenspüle für die Klospülung genutzt werden. Entwässerungsgräben müssen geschlossen, Auen erhalten und revitalisiert, Feuchtgebiete wieder bis zur Bodenkante vernässt werden – nicht zuletzt, um die CO2-Speicherfunktion von Mooren zu nutzen. Warum das in der Regenrinne aufgefangene Wasser nicht in einer Mulde im Garten versickert lassen, in Tonnen für Trockenzeiten speichern oder als Brauchwasser für Klospülung und Waschmaschine nutzen? Vor allem aber gilt es Böden im großen Stil zu entsiegeln, damit die Niederschläge nicht die Kanalisation, sondern das Grundwasser auffüllen. Statt einzelnen Schwammstadt-Pilotprojekten in Neubauvierteln brauchen wir flächendeckende Versickerung.

Anspruchsvoll, aber alternativlos

Regenwassermanagement hilft auch gegen das regelmäßige Überlaufen der Mischkanalisation, in der Abwässer aus Haushalten und Regenwasser gemeinsam abgeleitet werden. Sobald dieses System überlastet ist, läuft Abwasser in die Gewässer der Stadt – nicht nur bei Starkregenereignissen, sondern auch bei langanhaltenden normalen Niederschlägen. In Berlin summiert sich das auf rund 300 Millionen Kubikmeter im Jahr. Allein in den Landwehrkanal fließt jährlich so viel ungeklärtes Abwasser, dass er zweimal damit gefüllt werden könnte. Statt einer systematischen Abkoppelung des Regenwassers von der Kanalisation sieht der aktuelle Koalitionsvertrag gerade einmal zwei Pilotprojekte am Landwehrkanal vor. Das ist sehr schwach.

Nicht zuletzt findet der Kampf gegen das Austrocknen im Wald statt. Anders als Laubwälder verdunsten immergrüne Kiefernmonokulturen auch im Winter Wasser und kommen mit steigenden Temperaturen und weniger Niederschlägen schlechter zurecht. Sparsamkeit, Entsieglung, Wasserspeicherung und Waldumbau sind zweifellos anspruchsvolle Aufgaben – aber alternativlos.

Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 22-3. Mehr zum Schwerpunktthema „Trockenheit“:

Kleine Seen, große Sorgen: BUND-Kleingewässerreport 2021/22 erschienen
„Wir befinden uns im Kippmodus“: Hydrogeologie-Professorin Irina Engelhardt im Interview
Trockenheit in Zahlen
Ökotipp: Regenwasser nutzen

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