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BUND Landesverband Berlin

Vom Ufer über den Berg zum Friedhof

28. Januar 2019 | BUNDzeit-Artikel, Naturerleben, Wälder

Weil im Sommer buchstäblich der Wald vor lauter Grün nicht zu erkennen ist, lohnt sich ein winterlicher Streifzug durch den Grunewald.

Naturnahe Bank auf dem Friedhof Grunewald-Forst

Ein besonders schöner Waldweg führt am westlichen Rand des Grunewalds entlang: der Havelhöhenweg. Er ist ein Teil des 34 Kilometer langen Havelseenwegs zwischen Wannseebrücke und Aalemannufer. Angesichts winterlicher Temperaturen und früher Dämmerung begnügen wir uns aber mit einem kurzen Teilstück und starten am Schildhorn.

Kurz bevor die von der Havelchaussee abgehende Straße am Schildhorn am Seehotel Grunewald endet, geht es linkerhand über Stufen auf den Havelhöhenweg. Sobald wir die Halbinsel Schildhorn passiert haben, taucht rechterhand etliche Meter weiter unten immer wieder die Havel auf. Doch eigentlich sind wir des Waldes wegen hier, also Blick auf die linke Seite des Weges. Dort fallen immer wieder kleine Laubbauminseln auf, sogenannte Mortzfeld’sche Löcher, benannt nach einem Landesforstmeister, der im 19. Jahrhundert kreisförmige Kahlschläge im Kiefernwald und anschließende Bepflanzung mit Eichen und Buchen anordnete.

So könnte das nun ewig oder zumindest bis zum Grunewaldturm weitergehen, mit steilen Abhängen zur Havel samt spektakulären Ausblicken und Treppenstufen über tiefe Schluchten. Doch wir biegen auf der Höhe der Badestelle Kuhhorn auf den Havelweg Richtung Osten ein. Auf der linken Seite erhebt sich nun Dachsberg, der mit 61 Meter einer der höchsten Havelberge ist. Sein durchgehend bewaldetes Plateau erreicht man über einen steilen Pfad, der an einer mit „B 65“ markierten Birke abgeht. Doch wir haben noch einen anderen Punkt auf dem Programm und folgen dem Havelweg, bis er auf die Havelchaussee stößt, und von dort dem Wegweiser zum Friedhof Grunewald-Forst, einem der kleinsten und idyllischsten der Stadt, mit Sicherheit aber dem mit der makabersten Geschichte.

Ende des 19. Jahrhunderts sahen sich die örtlichen Forstbeamten genötigt, einen Friedhof anzulegen, um all die Leichen zu bestatten, die die Havel strömungsbedingt am Schildhorn anspülte. In einer Zeit, als sich die Kirchengemeinden weigerten, durch Suizid Umgekommene zu bestatten, gewann der wohl einzige Selbstmörderfriedhof Deutschlands schnell an einer gewissen Popularität. Für viele Angehörige war er die einzige Möglichkeit, den Verstorbenen ein würdiges Grab zu organisieren; manche Selbstmörder*innen verlegten ihre letzte Handlung gleich in die Nähe dieses Friedhofs. Den Wildtieren der Umgebung dürfte der besondere Ort gut gefallen haben, so sorgten die vielen Gespenstergeschichten, die sich um den Selbstmörderfriedhof rankten, für etwas mehr Ruhe als im Rest des damals schon beliebten Ausflugsziels Grunewald.

Längst ist der Friedhof Grunewald-Forst ein regulärer und durchaus beliebter Friedhof geworden, auf dem die Todesursache der Bestatteten ein privates Detail ist. Neben einigen Prominenten, allen voran Nico, bürgerlich Christa Päffgen, die als Sängerin von Velvet Underground bekannt wurde, fallen die vielen Gräber von Forstleuten auf. Am Eingang mahnt ein Schild, die Friedhofstür stets ordentlich zu schließen. Andernfalls könnten Wildschweine den Boden aufgraben.

Anfahrt: Bus 218 aus Richtung Messe Nord/ICC oder Wannsee (stündlich am Wochenende, zweistündlich Montag bis Freitag) bis Schildhorn

Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 2019-1. 

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