Foto: Assenmacher (CC BY-SA 4.0)
Berlin, 17.3.2026: Anlässlich des bevorstehenden Weltwassertages (22. März) kommt das Wassernetz Berlin am 19. März 2026 gegen 8.30 Uhr zum Berliner Abgeordnetenhaus, um den Mitgliedern des Umweltausschusses seine politischen Handlungsempfehlungen für die dringend erforderliche Verbesserung der stark belasteten Stadtgewässer abzugeben.
Beispielhaft wird hierfür den Politiker*innen eine Wasserprobe aus der verunreinigten Stadtspree überreicht. Entnommen wurde die Probe am Montag in der Rummelsburger Bucht.
Der Kupfergehalt war mit nahe 10mg/l deutlich erhöht (üblich sind 0.003 mg/l). Kupfer kann aus Straßen- und Dachabwässern (z. B. Bremsabrieb), Bootsanstrichen oder Pestiziden (Gartenbereich) sowie Altlasten stammen.
Zudem ist das Problem, dass vor Ort das Röhricht in den letzten Jahren weiter zurückgegangen ist und sorglos Abfall mit problematischen Stoffen an und in die geworfen wird. Insbesondere Zigarettenkippen sind ein weitgehend unterschätztes erhebliches Problem.
Die Probe hat das Netzwerk zum Auftakt seiner aktuellen Messkampagne genommen, die in den kommenden Tagen an insgesamt 20 Wasserläufen und Stillgewässern in Berlin umgesetzt wird.
Die Spree gilt nicht nur als wichtige Trinkwasserressource für Berlin, sondern dient zugleich als Hauptschlagader für eine Vielfalt an Gewässertieren. Nach behördlichen Untersuchungen weist die Stadtspree zwischen Müggelsee und Abzweigung Landwehrkanal u. a. wegen erhöhter Konzentrationen an Kupfer und der kritischen Situation bei Fischen und Wasserpflanzen einen ökologisch unbefriedigenden sowie wegen der Belastung mit Quecksilber einen chemisch schlechten Zustand auf.
Seit 2023 unterstützt das Wassernetz die behördlichen Anstrengungen für den Gewässer-und Biodiversitätsschutz in der Stadt. So wurden bislang mehr als 50 öffentliche Gewässerdialoge abgehalten, bei denen sich die Teilnehmenden ein Lagebild vor Ort verschaffen und gemeinsame Lösungen erarbeiten konnten. Wesentliche Probleme sind die Übernutzung, Verunreinigung, Verbauung und/oder Wassermangel der Gewässer. Die Ergebnisse bestätigen die bisherigen Bestandsaufnahmen des Landes, dass die längst einzuhaltenden Umweltziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie deutlich verfehlt werden und dringend mehr unternommen werden muss.
Kein Wasserlauf, kein See erreicht bisher die chemischen und ökologischen Anforderungen des Wasserrechts, die spätestens 2015 hätten eingehalten werden müssen. Für die meisten der mehr als 700 Kleingewässer Berlins mangelt es an einem umfassenden Lagebild.
Problematisch sind die weiterhin zu hohen Einleitungen von Nähr- und Schadstoffen und der Mangel an naturnahen Ufern. Darunter leidet auch die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt an den Gewässern, die Berlins Wasserlandschaft ausmacht und besonders in Not ist. Viele Arten wie insbesondere die Amphibien und Langdistanzwanderfische gelten als bedroht oder verschollen.
Das Wassernetz sieht zugleich mehrere gute Ansätze, die gestärkt und ergänzt werden müssen.
Dafür legt das Netzwerk den Mitgliedern des Umweltausschusses im Abgeordnetenhaus einen Acht-Punkte-Aktionsplan für die Verbesserung der Gewässer und der Biodiversität in der Stadt vor, den es auf Grundlage der Ergebnisse aus den Gewässerdialogen und weiteren Beteiligungsangeboten zu Themen wie Biotopverbund, Wasserhaushalt und Wasserqualität in den vergangenen Jahren erarbeitet hat.
Als wichtige Maßnahmen werden unter anderem die Rücknahme von Kürzungen im Wasserbereich und die deutliche Aufstockung des Gewässerbudgets gefordert, die beispielsweise für die bessere Ausstattung des bewährten Gewässergütebauprogramms zur Reinhaltung des Wassers genutzt werden sollten.
Für die Finanzierung sollten neue Instrumente wie das in anderen Bundesländern längst etablierte Oberflächenwasserentnahmeentgelt eingeführt werden. Auch ist die Festlegung von Mindestgrundwasserständen zum Schutz der Moore und Wälder erforderlich. Wichtig wäre zudem eine weitere Stärkung des Kleingewässerprogramms und die Einrichtung eines Gewässer-Finanztopfs für die Bezirksämter, damit ein umfassendes Monitoring für kleine Wasserläufe, Pfuhle und Teiche auf den Weg kommt und deutlich mehr dieser Biotope in den kommenden Jahren saniert werden können.
Flankierend braucht es mehr Angebote und Anreize für die Öffentlichkeitsbeteiligung, damit sich die Zivilgesellschaft bei der Wiederherstellung der Gewässer aktiv einbringen kann.
Das Wassernetz Berlin geht bereits mit gutem Beispiel voran und hat neben der Erarbeitung von Informationsbroschüren, praktischen Hilfestellungen für Wasserinteressierte und Dialogen an Wasserläufen und Seen 19 Berliner Gewässer aufgewertet und hierfür Pat*innen gewinnen können. Die erfolgreiche Arbeit wurde auch durch die konstruktive Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden und weiteren Akteuren möglich.
Die Arbeit wird derzeit von der LOTTO-Stiftung Berlin gefördert.
Auch in den kommenden Jahren will sich das Netzwerk einbringen, um sein Engagement für die Gewässer mit interessierten Akteuren aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu intensivieren.
Hintergrundinformationen:
Der Weltwassertag wird seit 1993 jährlich am 22. März begangen und sensibilisiert weltweit für die Herausforderungen im Bereich Süßwasser und Sanitärversorgung. Das Thema für 2026, „Wasser und Geschlechtergleichstellung“, betont, dass sicheres Trinkwasser und sanitäre Einrichtungen grundlegende Menschenrechte sind. Der sichere und leichte Zugang zu diesen Ressourcen ist eine entscheidende Voraussetzung für die Gleichstellung der Geschlechter. Es gibt weiterhin Orte auf der Welt, an denen Frauen die Aufgabe haben, mühselig Wasser über weite Strecken zu transportieren.
Das Wassernetz Berlin ist ein Bündnis von a tip:tap e.V., Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e.V., BUND Berlin e.V., GRÜNE LIGA Berlin e.V., Museum für Naturkunde Berlin und NABU Berlin e.V., das sich für die Förderung des Gewässer- und Biodiversitätsschutzes in der Stadt einsetzt, insbesondere mit Gewässerdialogen, praktischen Aufwertungen, Gewässerpatenschaften und Öffentlichkeitsarbeit. Die von dem Netzwerk erstellten Handlungsempfehlungen „Gemeinsame Blaupause für die Entwicklung der Gewässer und Biodiversität in unserer Stadt“ sind unter diesem Link abrufbar:
Kontakt:
kontakt(at)wassernetz-berlin.de, wassernetz-berlin.de


