Windkraftplanung Berlin: Gewerbegebiet ja – Wald nein.

10. Juli 2025 | Artenvielfalt, Bäume, Klimaschutz, Stadtnatur

Naturschutzverbände fordern konsequenten Schutz von Naturflächen

Foto: BUND Berlin/Nicolas Šustr

Gemeinsame Pressemitteilung von BLN und BUND Berlin

Berlin, 10. Juli 2025: Berlin steht unter Druck: Bis 2032 müssen laut Bundesvorgabe 0,5 Prozent der Landesfläche als mögliche Standorte für Windkraft ausgewiesen werden – das entspricht 446 Hektar. Doch die aktuelle Flächenauswahl des Senats gefährdet wertvolle Natur- und Waldgebiete. Die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) und der BUND Berlin fordern in ihrer Stellungnahme zur Änderung des Flächennutzungsplans „Windenergie in Berlin“ deshalb: Windkraft ja – aber, nicht im Wald oder in Schutzgebieten. Wir haben in Berlin zahlreiche geeignete Flächen in ungenutzten Gewerbegebieten.

Nach Prüfung der vom Senat vorgeschlagenen Flächen hält die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz nur zwei Standorte für geeignet:
 

  • Buchholz Nord (Pankow): Bereits heute stehen hier zwei Windräder auf einer Gewerbefläche zwischen A10 und A114. Die Fläche bietet weiteres Potenzial – allein hier könnten die bis Ende 2027 geforderten 223 Hektar bereitgestellt werden.
  • Ackerfläche bei Malchow (B 2): Auch hier stehen bereits Windräder. Die Fläche ließe sich über die Senatsvorschläge hinaus ausweiten.


Alle weiteren Vorschläge des Senats sind aus Sicht der Naturschutzverbände abzulehnen: Sie betreffen Landschafts-, Natur- oder Wasserschutzgebiete – darunter die Falkenberger Rieselfelder, die Krummendammer Heide oder den Grunewald. Besonders kritisch ist der Plan, Windräder im Wald aufzustellen. Diese Flächen stehen unter dem Schutz des Berliner Waldgesetzes, das eine nachhaltige Bewirtschaftung und den Erhalt des Waldes vorschreibt – auch im Interesse des Artenschutzes, des Stadtklimas und der Erholung der Bevölkerung.

"Windkraft im Wald ist ökologisch und rechtlich ein Irrweg", sagt Antje Stavorinus, Naturschutzreferentin der der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN). "Breite Zufahrtsstraßen, Bodenversiegelung und Eingriffe in Schutzgebiete widersprechen dem Umwelt- und Klimaschutz, den sie eigentlich fördern sollen."

Vorschlag: Ungenutzte Gewerbeflächen statt geschützter Natur

In Berlin gibt es zahlreiche als Gewerbegebiet ausgewiesene, aber derzeit ungenutzte Flächen – etwa den ehemaligen Betriebsbahnhof Schöneweide am S-Bahnhof Johannisthal oder den Clean Tech Business Park in Marzahn-Hellersdorf. Der BUND schlägt vor, diese Flächen über ein zweistufiges Verfahren zunächst in Grünflächen und dann in Windeignungsflächen umzuwandeln. Bis 2032 sei dafür ausreichend Zeit. Auch eine parallele Nutzung durch Gewerbe und Windkraft sei – wie in Buchholz Nord – möglich.

Berlin sollte auf Leistung statt Fläche setzen

Zudem fordern die Verbände, dass Berlin sich auf Bundesebene dafür einsetzt, die Zielvorgabe insbesondere im Stadtstaat Berlin an der tatsächlichen installierten Leistung statt an der Flächengröße zu orientieren. Das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK) sieht eine zusätzliche Windkraftleistung von 100 Megawatt vor – diese sei auch auf deutlich kleinerer Fläche als 446 Hektar realisierbar.

"Entscheidend für den Klimaschutz ist die installierte Leistung, nicht die Hektarzahl," so Verena Fehlenberg, Stadtnaturschutzreferentin beim BUND Berlin. "Wir brauchen Windkraft – aber klug und naturverträglich, dafür muss sich Berlin auf Bundesebene bis 2032 stark machen."

Stellungnahme der Berliner Naturschutzverbände

Kontakt:
Antje Stavorinus, Naturschutzreferentin Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e.V. (BLN), 030 - 26 55 08 64, bln(at)bln-berlin.de
 
Verena Fehlenberg, Referentin für Stadtnaturschutz BUND Berlin e.V.. 030 -78 79 00 59,  fehlenberg(at)bund-berlin.de
 

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