Kleingärten
Lofts oder Lauben? Für Artenvielfalt und Stadtklima sind Kleingärten in der Stadt sehr hilfreich. Foto: Alice Chodure/wikimedia, CC BY-SA 3.0
Mehr als 10.000 Menschen stehen auf Wartelisten für eine der 70.702 Kleingartenparzellen. Viele Wartelisten mussten inzwischen geschlossen werden, weil die Nachfrage nicht abnimmt. Auch bei Tieren sind die Kolonien beliebt. Vor allem Vögel und Insekten wie Bienen profitieren von der Pflanzenvielfalt in vielen Gärten.
Kleingärten auf den landeseigenen Flächen sollen in Berlin künftig über das Kleingartenflächensicherungsgesetz geschützt sein. Das ist dringend nötig, denn seit 2014 hat Berlin über 8.000 Kleingärten verloren. Wenn diese jedoch aus einem "überwiegendem öffentlichen Interesse" für neue Wohnungen, Schulen oder Straßen benötigt werden, können sie durch eine Umwidmung in Bauland umgewandelt werden. Immerhin muss dann das Berliner Abgeordnetenhaus zustimmen und das Land Berlin muss zwingend Ersatz im näheren Umfeld bereitstellen. Das sollte jedoch schwierig werden. Denn Ersatz gibt es kaum mehr.
Kleingärten auf privatem Grund oder auf Flächen des Bundes sind über das Kleingartenflächensicherungsgesetz nicht geschützt. Sie machen 20 Prozent aus. Wir setzen uns dafür ein, dass auch sie planungsrechtlich gesichert werden. Zudem sollte Berlin mit dem Bund Kooperationsvereinbarungen zum Schutz von Kleingärten treffen. Das betrifft beispielsweise Gärten, die im Eigentum der Deutschen Bahn sind.
Bedrohte Kleingärten auf dem Dreieck Späthsfelde in Treptow
Auf dem rund 1 Million Quadratmeter großen Areal „Dreieck Späthsfelde“ im Nordwesten von Treptow-Köpenick – zwischen Königsheide, der A113 und dem Britzer Verbindungskanal – sollen 2.000 bis 4.000 Wohnungen, ein Gewerbegebiet und eine neue Verbindungsstraße entstehen.
Das Gebiet ist für viele Berliner*innen ein wertvoller Ort der Erholung – mit Kleingärten, Wiesen und Feldern, dem Arboretum und den bis heute landwirtschaftlich genutzten Flächen der Späth’schen Baumschule.
Aktuelle Planungen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Bauen zeigen, dass neben Wiesen und Feldern auch über 100 Jahre alte Kleingärten in größerem Umfang bebaut werden sollen – und das, obwohl Bausenator Christian Gaebler (SPD) noch beim Tag des Gartens 2024 in Späthsfelde versicherte, die Kleingärten weitestgehend schützen zu wollen.
Blaue Doppellinie: Geplante Verbindungsstraße zwischen Späthstraßenbrücke bis zur Kreuzung Königsheideweg Ecke Baumschulenstraße; Gestrichelte Doppellinie: optionale Verlängerung der Verbindungsstraße in Richtung der Köpenicker Landstraße (B96a)
(SenStadt/Hosoya Schaefer Architects/Agence TER)
So soll die neue Verbindungsstraße in gerader Linie von der Späthstraßenbrücke bis zur Kreuzung Königsheideweg Ecke Baumschulenstraße führen, das Gewerbegebiet parallel zur A113 entstehen und Wohnungen südlich der neuen Hauptverkehrsstraße gebaut werden.
In einem Konzept ist sogar eine Verlängerung der neuen Verbindungsstraße über die Kreuzung am Königsheideweg hinaus bis zur Köpenicker Landstraße (B96a) vorgesehen – mit allen absehbaren Folgen.
Schon heute sind die umliegenden Naturräume in einem schlechten Zustand. Der angrenzende Wald Königsheide mit seinen Kiefern und Eichen und der kleine Wasserlauf Heidekampgraben leiden unter Trockenheit und Schadstoffen sowie einer wachsenden Zahl an erholungsuchenden Menschen. Das Grundwasser unter Späthsfelde nimmt weiter ab, wärmt sich auf und die umliegenden Kanäle sind verschmutzt und verbaut.
Durch eine weitere Versiegelung für Gebäude und Straßen, damit zusammenhängende Schadstoffeinträge, Erwärmung, Verkehrslärm, Grundwasserentnahmen und eine Zerschneidung wichtiger zusammenhängender Naturräume (Biotopverbund) wird sich die Situation verschlechtern.
Umso wichtiger ist es, dass wir das Dreieck Späthsfelde für unsere Erholung, Abkühlung und als Lebensraum für Wildtiere und Pflanzen erhalten. Streng geschützte Arten wie der Biber, die Zauneidechse oder die Knoblauchkörte sind hier zu Hause. Darüber hinaus bietet das Gebiet viele freie Flächen, die ökologisch verbessert werden können. Diese werden dringend benötigt, um Bauprojekte, die zurzeit an anderer Stelle in Berlin Stadtgrün verbrauchen, ökologisch auszugleichen. Immer öfters muss dieser gesetzlich festgeschriebene Ausgleich in Brandenburg stattfinden, da Berlin kaum mehr Flächen hat.
Der BUND Berlin fordert daher bezahlbare Wohnungen konsequent auf bereits betonierten Flächen zu schaffen und bestehende Gebäude schnell besser zu nutzen – wie leere Büros, illegale Ferienwohnungen und möblierte Apartments. Vor allem auf der Neuköllner Seite des Birtzer Verbindnungskanals gibt es Flächen, die umgenutzt und Gebäude, die aufgestockt werden könnten. Auch müssen hier nicht erst noch Straßen, Beleuchtungen, Leitungen und Wege teuer neu geplant, gebaut und Instand gehalten werden.
Auf diese Weise können wir nicht nur wertvolle Orte für unsere Erholung, Abkühlung und die Natur bewahren, sondern auch beim Wohnungsbau Steuergelder sparen.
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