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BUND Landesverband Berlin

Braunkohle bedroht Berliner Trinkwasser

Die Braunkohletagebaue in der Lausitz fördern schwefel- und eisenhaltige Gesteine aus der Erde, die bei Kontakt mit Luft und Wasser zu Eisenocker und Schwefelsäure zerfallen und über die Grubenabwässer erst in kleine Bäche und dann in die Spree fließen. Während der ockerfarbene Eisenschlamm im Spreewald hängen bleibt, gelangt wasserlösliches Sulfat als Salz der Schwefelsäuere nach Berlin, wo es ein Problem für die Trinkwasserförderung darstellt.

Grubenabwasser aus dem Tagebau Welzow I: Während der Ockerschlamm im Spreewald hängen bleibt, gelangt das wasserlösliche, unsichtbare Sulfat auch in die Berliner Gewässer. Foto: BUND Brandenburg

Der Braunkohletagebau in der Lausitz wird die Berliner Trinkwasserversorgung in den nächsten Jahren verkomplizieren und damit verteuern. Sowohl aus den aktiven als auch aus den stillgelegten Tagebauen gelangt Sulfat erst in kleinere Bäche und dann in die Spree. Rund die Hälfte der Haushalte in Berlin bezieht das Trinkwasser aus Brunnen, die mit dem Spreewasser verbunden sind. Hohe Mengen des Schwefelsalzes können zu Durchfall und Erbrechen führen, besonders betroffen sind Säuglinge und Kleinkinder. Neben Menschen leidet auch die Infrastruktur unter Sulfat, da es Stahl und Beton korrodieren lässt.

Noch ist das Trinkwasser sauber

Momentan können die Wasserbetriebe den Grenzwert von 250 Milligramm pro Liter noch garantieren – es gibt also keinen Grund, das Berliner Leitungswasser zu verschmähen! Allerdings steigt die Sulfatkonzentration seit 2013. Im Müggelsee liegt sie seit 2014 beständig bei über 250 mg/l und überschritt im Oktober 2015 erstmals sogar die Marke von 300 mg/l, was dazu führt, dass auch in einigen Brunnen des Wasserwerks Friedrichshagen Werte von mehr als 250 mg/l gemessen werden. Theoretisch könnte man das wasserlösliche Sulfat per Ionentausch zwar aus dem Wasser filtern, allerdings nicht in den benötigten Mengen und es wäre wesentlich teurer als die heutige Förderung. Außerdem würde dieses aufwendige chemische Verfahren eine Abkehr vom Prinzip der naturnahen Wasseraufbereitung bedeuten – bislang wird das ufernah geförderte Trinkwasser nur mit Luft behandelt und durch Kies gefiltert. 

Das Wasser wird knapper

Beim BUND Berlin e. V. kommt Leitungswasser auf den Tisch.

Die Berliner Wasserbetriebe gewinnen den Großteil des Berliner Trinkwassers über Uferfiltrat aus Spree und Havel. Da es bislang kein praxistaugliches Verfahren gibt, das Sulfat aus dem Wasser zu entfernen, bleibt nur eine Möglichkeit: das Wasser mit hohem Sulfatanteil mit anderem, weniger belasteten Wasser zu mischen, bis die Konzentration wieder unbedenklich ist. Das wird künftig schwieriger, denn mit der Berliner Bevölkerung wächst auch die Wassernachfrage. Statt Uferfiltrat müssten die Wasserbetriebe mehr Grundwasser aus anderen Quellen fördern. Angesichts ohnehin sinkender Grundwasserpegel ginge das aber genau in die falsche Richtung. Sollen die Berliner Feuchtgebiete austrocknen, damit der Vattenfall-Nachfolger LEAG weiter Sulfat in die Spree leiten darf?

Keine neuen Tagebaue!

Die jetzt noch ausgebeuteten Tagebaue und die in den letzten Jahrzehnten geschlossenen Gruben sorgen dafür, dass die Frage der Sulfatbelastung in der Spree noch lange ein Problem bleibt. Umso wichtiger ist es, dass keine neuen Quellen für Sulfat und Eisenocker hinzukommen. Der BUND fordert vom Berliner Senat daher, über das Instrument der „Gemeinsamen Landesplanung“ Einfluss auf die Brandenburger Braunkohlepolitik auszuüben und neue Tagebaue zu verhindern.

Wer verschmutzt, soll zahlen

Der BUND fordert, die Verteuerung des Trinkwassers konsequent den Verursachern in Rechnung zu stellen. Da das nicht, wie von der Potsdamer Landesregierung jahrelang behauptet, der stillgelegte, sondern in erster Linie der aktive Tagebau ist, der eigentlich nie eine wasserrechtliche Genehmigung für die Sulfateinleitung hätte bekommen dürfen, muss der Braunkohleförderer LEAG dafür aufkommen. Allerdings ist völlig unklar, ob die LEAG über die milliardenschweren Rückstellungen verfügt, die Vattenfall für die Bergbaufolgeschäden gebildet und mit verkauft hatte, oder ob diese im unübersichtlichen Firmengeflecht ihres Besitzers, der EPH-Holding, verschwunden sind. Wenn die Landesregierungen in Berlin und Potsdam die LEAG nicht dazu zwingen, Sicherheitsleistungen zu hinterlegen, drohen die Steuerzahler nach einer Insolvenz der LEAG auf den Kosten der Spreesanierung sitzenzubleiben.

Kontakt

Matthias Krümmel

Referent für Klimaschutzpolitik
E-Mail schreiben Tel.: 030 78790063

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