Berlin, 14. Oktober 2025: Am Donnerstag findet im Umweltausschuss des Abgeordnetenhauses die zweite Lesung des Umweltkapitels des Berliner Doppelhaushaltes 2026/2027 statt. Im Senatsentwurf sind keine Mittel für die Weiterführung des äußerst erfolgreichen Reparatur-Bonus Berlin vorgesehen, einem Programm, in dem Zuschüsse für die Reparatur defekter Elektrogeräte gewährt worden sind. Das Vorgehen der zuständigen Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) ist Teil der massiven Kürzungen beim Klimaschutz mit bis zu 99 Prozent Mittelstreichung beim Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK) und extremen Kürzungen bei Mitteln für BENE, dem Berliner Programm für nachhaltige Entwicklung.
Berlin wäre der einzige Akteur, der kurz nach seiner Einführung den Bonus gleich wieder einstellen würde, ein umweltpolitischer Schnell- und Fehlschuss, der ausgerechnet auch noch kurz vor dem International Repair Day besiegelt werden soll. Er findet am 18. Oktober statt. In anderen Ländern und Städten sind vergleichbare Programme vielfach verlängert und ausgeweitet worden, zum Beispiel in Österreich, Wien, Thüringen und zuletzt auch Sachsen.
Die Aktion findet am 16. Oktober 2025 um 8:30 Uhr vor dem Berliner Abgeordnetenhaus statt.
Die Teilnehmenden bringen Geräte mit, die ohne den Reparatur-Bonus drohen, zu Elektroschrott zu werden.
Organisiert wird der Protest von BUND Berlin, INKOTA und dem Runden Tisch Reparatur. Zu den Unterstützenden zählen Circular Berlin, Compango, Kreisler, Kunst-Stoffe-Berlin, Kulturlabor Trial&Error, LAUB, Netzwerk Ressourcenwende, WEED, Zero Waste e.V.
Zitate:
Tobias Quast-Malur, Referent für Abfall- und Ressourcenpolitik beim BUND Berlin:
"Der Reparatur-Bonus ist eines der wenigen umweltpolitischen Erfolgsprogramme des schwarz-roten Senats: Fast 15.000 Elektrogeräte konnten durch den Bonus vor dem Elektroschrott gerettet werden. Die Streichung des Programms ist ein Armutszeugnis wie die gesamte Umweltpolitik des Senats. Die massiven Kürzungen von fast 40 Prozent zeigen, dass Klima und Natur für CDU und SPD anscheinend keine Rolle spielen. Das darf nicht sein: Der Reparatur-Bonus muss erhalten bleiben. Alle Streichungen im Umweltetat müssen rückgängig gemacht werden! Berlin muss zukunftsfähig werden und bleiben. Auch unsere Kinder und Enkel wollen in einer lebenswerten und schönen Stadt leben!“
Anne Neumann, Referentin für Klima- und Ressourcengerechtigkeit bei INKOTA:
„Berlin sollte nicht nur wie eine Weltstadt tun, sondern wie eine Eine-Welt-Stadt handeln. Dafür muss der Senat seiner globalen Verantwortung gerecht werden. Der Reparatur-Bonus ist ein wichtiger Baustein, der gerade erst anfängt zu wirken. In Berlin wurden 2022 rechnerisch 145.000 Tonnen neue Elektrogeräte verkauft. Das ist rund 9.000 Mal das Gewicht der Weltzeituhr. Und jedes Jahr wird es mehr. Ausbeutung und Menschenrechtsverbrechen im globalen Bergbau werden nur weniger werden, wenn wir endlich weniger Metalle verbrauchen. Wir brauchen die Rohstoffwende jetzt! Mit dem Reparatur-Bonus können wir einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gehen.“
Dörte Heimann, Geschäftsführerin Runder Tisch Reparatur:
„Die Streichung des Reparatur-Bonus ist das völlig falsche Signal! Mit der Streichung des Reparaturbonus verliert Berlin ein Instrument, das Klima, Handwerk und soziale Teilhabe gleichermaßen stärkt. Wer Reparatur kürzt, fördert Müll!
Außerdem sollte Berlin sich auf Bundes- und EU-Ebene für einen herstellerfinanzierten Reparaturbonus einsetzen. So lassen sich Reparaturen dauerhaft attraktiv und bezahlbar gestalten. Eine solche Lösung entlastet Verbraucher*innen, stärkt das Handwerk und verpflichtet Hersteller, langlebige und reparierbare Produkte anzubieten. Berlin kann hier ein starkes politisches Signal setzen: für Ressourcenschutz, Kreislaufwirtschaft und echte Klimaverantwortung.“
Kontakt:
Tobias Quast-Malur, Referent für Abfall- und Ressourcenpolitik BUND Berlin, Tel. 030-78 79 00-55, quast(at)bund-berlin.de
Anne Neumann, Referentin für Klima- und Ressourcengerechtigkeit bei INKOTA, Tel. 030 4208202-59, Neumann(at)inkota.de
Dörte Heimann, Sprecherin Runder Tisch Reparatur, Tel: 0155-63 40 10 43, info(at)runder-tisch-reparatur.de


