BUND Berlin zweifelt an Kostenprognose für U-Bahn ins Märkische Viertel

28. April 2026 | Verkehr, ÖPNV

Ermittelte Baukosten nicht einmal halb so hoch wie bei anderen U-Bahnprojekten in Deutschland

Foto: Uzyel (CC BY-SA 3.0)

Berlin, 28. April 2026: Laut einem aktuellen Medienbericht liegt dem Senat eine neue Wirtschaftlichkeitsprognose für die Verlängerung der U8 vom derzeitigen Endbahnhof Wittenau bis zum Senftenberger Ring im Märkischen Viertel vor. Für die 2,8 Kilometer lange Strecke mit vier neuen Stationen werden demnach laut Kostenstand 2025 Baukosten von 390 Millionen Euro erwartet.

Diese Kosten liegen so deutlich unter anderen gerade in Realisierung befindlichen U-Bahn-Projekten in Deutschland, dass der BUND Berlin erhebliche Zweifel an der Belastbarkeit der Prognose hat. Es werden umgerechnet auf die Streckenlänge demnach nur Kosten von 139 Millionen Euro pro Kilometer erwartet – das ist nicht mal die Hälfte dessen, womit bei anderen Projekten gerechnet wird.

Laufende oder kurz vor der Realisierung stehende U-Bahn-Verlängerungen in Berlin, Hamburg und München schlagen nach offiziellen Angaben mit 291 bis 500 Millionen Euro pro Kilometer zu Buche. Unter diesen Werten liegt nur die weitgehend unter freiem Feld verlaufende Verlängerung der Münchner U6, die vom Endbahnhof Klinikum Großhadern um knapp einen Kilometer nach Martinsried verlängert wird. Hierfür wurden 2023 Kosten von 212 Millionen Euro genannt.

Dazu erklärt Katharina Wolf, Verkehrsexpertin des BUND Berlin:
„Wir fordern CDU-Verkehrssenatorin Ute Bonde auf, darzulegen, wie eine derart niedrige Kostenschätzung plausibel begründet werden kann. Ohne realistische Kostenprognosen lässt sich der Nutzen von Verkehrsprojekten nicht fehlerfrei ermitteln. Das kann zu falschen Entscheidungen führen, die dann dauerhaft die Wirtschaftlichkeit des Öffentlichen Personennahverkehrs beeinträchtigen und den optimalen Ausbau des Angebots für die Fahrgäste und somit die Verkehrswende verhindern.

Erst am Montagabend hatte Ute Bonde bei einer Veranstaltung zur Siemensbahn schließlich die erneute Prüfung der Anbindung der Urban Tech Republic auf dem Gelände des Ex-Flughafens Tegel an den Bahnhof Gartenfeld und weiter Richtung Rathaus Spandau verteidigt mit der Begründung, dass man ‚unheimlich viel Geld in die Hand‘ nehme und dieses Geld ‚sinnvoll und gut investiert sein‘ solle.

Der BUND Berlin hält weiterhin eine Straßenbahnanbindung des Märkischen Viertels für die sinnvollste Option. In einer ersten Stufe als Verlängerung der derzeit in Rosenthal endenden Tramlinie M1. Eine weitere notwendige Stufe wäre die Komplettumstellung der Buslinie M21 bis Jungfernheide auf Straßenbahn. Damit könnte eine mit dem Bus vergleichbare Flächenerschließung verbunden werden mit höherer Kapazität, mehr Tempo und einer wesentlich höheren Beförderungsqualität. Und das bei geringeren Kosten. Eine neue Straßenbahnstrecke kostet pro Kilometer nur etwa ein Zehntel neuer U-Bahn-Strecken.“

Konkret hat der BUND Berlin die Kosten pro Kilometer folgender U-Bahn-Projekte verglichen:
 

  • Berlin: U8 Wittenau-Senftenberger Ring: 139 Millionen Euro pro Kilometer (4 Bahnhöfe, 2,8 Kilometer Streckenlänge, Kosten laut Medienbericht: 390 Millionen Euro)
     
  • Berlin: U3 Krumme Lanke-Mexikoplatz: 300 Millionen Euro pro Kilometer (1 Bahnhof, 1,1 Kilometer Streckenlänge, Kosten laut Nahverkehrsplan: 330 Millionen Euro)
     
  • Hamburg: U4 Horner Rennbahn-Horner Geest: 291 Millionen Euro pro Kilometer (2 Bahnhöfe, 1,6 Kilometer Streckenlänge, Kosten laut Hamburger Hochbahn: 465 Millionen Euro)
     
  • Hamburg: U5 Bramfeld-City Nord: 500 Millionen Euro pro Kilometer (5 Bahnhöfe, 5,8 Kilometer Streckenlänge, Kosten laut Hamburger Hochbahn: 2,9 Milliarden Euro)
     
  • München: U6 Klinikum Großhadern-Martinsried: 221 Millionen Euro pro Kilometer (1 Bahnhof, 960 Meter Streckenlänge, Kosten laut Bayerischem Rechnungshof: 212 Millionen Euro)
     
  • München: U5 Laimer Platz-Pasing: 342 Millionen Euro pro Kilometer (3 Bahnhöfe, 3,8 Kilometer Streckenlänge, Kosten laut Stadtratsunterlagen: 1,3 Milliarden Euro)
     

Kontakt:
Katharina Wolf, Verkehrsexpertin BUND Berlin, 030-78 79 00-56, wolf(at)bund-berlin.de

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