Tempo 30: Wie viel zählen Schulkinder für die Senatsautoverwaltung?

02. Dezember 2025

Netzwerk Schulwegsicherheit kommt beim Nachzählen in der Steglitzer Albrechtstraße auf fast 40 mal so viele Schulkinder

Grafik: Netzwerk Schulwegsicherheit Steglitz-Zehlendorf

Berlin, 2. Dezember 2025: „Die Steglitzer Albrechtstraße ist ein hochfrequentierter Schulweg. Die politisch motivierte Aufhebung von Tempo 30 dort durch die Senatsverkehrsverwaltung auf Basis äußerst fragwürdiger Zahlen ist ein grober Fehler gewesen. Die Senatsverwaltung muss unverzüglich wieder Tempo 30 anordnen, um den Schutz von hunderten Schülerinnen und Schülern zu gewährleisten, die dort täglich zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind.“, sagt Melanie Hartung. Sie ist Expertin für Mobilitätsbildung des BUND Berlin und Mitglied des Netzwerks Schulwegsicherheit Steglitz-Zehlendorf.

Mitglieder des Netzwerks Schulwegsicherheit Steglitz-Zehlendorf haben in der Steglitzer Albrechtstraße nachgezählt, wie viele Schulkinder im Bereich zwischen Robert-Lück-Straße und Neue Filandastraße morgens zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Am Freitag, den 28. November zählten sie in der Zeit zwischen 7.30 Uhr und 8.15 Uhr 943 Schülerinnen und Schüler.

Das ist eine bemerkenswerte Diskrepanz zu den Zahlen, die die Senatsverwaltung für Verkehr bei einer eigenen Zählung am 21. Mai von 7.30 Uhr bis 8.20 Uhr ermittelt haben will. Damals sollen nur 25 Schulkinder registriert worden sein. So ist es nachzulesen in der Antwort auf eine Schriftliche Anfrage der Grünen-Abgeordneten Oda Hassepaß (Seite3). Allein schon angesichts von rund 800 Schülerinnen und Schülern allein am Gymnasium Steglitz und weiteren rund 300 an der Grundschule an der Plantagenstraße erscheinen die offiziellen Zahlen wenig glaubhaft.

Die offiziell ermittelten sehr niedrigen Zahlen sind für die CDU-geführte Senatsverwaltung für Verkehr die Begründung, warum die Anordnung von Tempo 30 in diesem Abschnitt der Albrechtstraße aufgehoben werden müsse. Ursprünglich war Tempo 30 dort unter der damals Grünen-geführten Senatsverkehrsverwaltung wegen Überschreitung von Schadstoff-Grenzwerten angeordnet worden.

An vier Punkten des Straßenzugs zählten die Ehrenamtlichen in der Zeit zwischen 7.30 Uhr und 8.15 Uhr die Schülerinnen und Schüler, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad entlang der Albrechtstraße unterwegs waren oder sie querten. Selbst am geringst frequentierten Erfassungspunkt an der Einmündung der Neuen Filandastraße ist mit 120 Schulkindern ein Vielfaches der Senatszahlen erfasst worden. Die meisten Schülerinnen und Schüler sind in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Rathaus Steglitz, an der Ecke Robert-Lück-Straße, registriert worden.

Derzeit läuft auch die Unterschriftensammlung für einen Einwohnerantrag des Netzwerks Schulwegsicherheit für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr. Konkret geht es um die Wiedereinführung von Tempo 30 auf der Albrechtstraße in Steglitz zwischen Robert-Lück-Straße und Neue Filandastraße.

Das Netzwerk Schulwegsicherheit Steglitz-Zehlendorf ist ein Zusammenschluss von Eltern vieler Schulen im Bezirk, die in den dortigen Gremien für Verkehrssicherheit nach Paragraf 17a, Absatz 5 des Berliner Mobilitätsgesetzes die Schulen bei der Schulwegsicherheit unterstützen. Es ist eine Arbeitsgruppe des Bezirkselternausschusses.

Kontakt:
Melanie Hartung, Expertin für Mobilitätsbildung des BUND Berlin, Tel. 030-78 79 00-31, hartung(at)bund-berlin.de

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