5. Berliner Kleingewässerreport: Berliner Amphibienbestände unter Druck

08. Juli 2026 | Amphibien, Artenvielfalt, Stadtentwicklung, Stadtnatur, Wasser

BUND fordert verlässliche Gewässerpflege, Nutzung von Regenrückhaltebecken als Lebensräume und Aktualisierung der Roten Liste

Foto: BUND Berlin/Norbert Prauser

Berlin, 8. Juli 2026: Der BUND Berlin warnt vor einem anhaltenden Rückgang geeigneter Lebensräume für Amphibien in der Hauptstadt. Zwei aktuelle Untersuchungen aus den Jahren 2024 und 2025 für den 5. Berliner Kleingewässerreport zeigen, dass viele Berliner Kleingewässer weiterhin unter mangelhafter Pflege, fehlender Finanzierung und hohen verwaltungsrechtlichen Hürden leiden. Zugleich belegen die Erhebungen, dass bei verlässlichen Zuständigkeiten und gesicherter Unterhaltung deutlich bessere Zustände erreichbar sind.

Im Jahr 2024 untersuchte der BUND Berlin 84 stehende Kleingewässer in zehn Bezirken, die von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt betreut werden. Darunter befanden sich auch künstliche Gewässer wie Regenrückhaltebecken. Das Ergebnis fiel überraschend positiv aus: Rund 80 Prozent der besichtigten Objekte boten Amphibien zumindest theoretisch eine hohe bis eingeschränkte Lebensraumeignung.

Im Jahr 2025 nahm der BUND Berlin mehr als 50 Kleingewässer in neun Bezirken in den Blick, die von den bezirklichen Straßen- und Grünflächenämtern unterhalten werden und bereits in den Jahren 2020 bis 2023 durch einen schlechten Pflegezustand aufgefallen waren. Die Bilanz ist ernüchternd: Nur in wenigen Fällen konnten Verbesserungen festgestellt werden.

Wichtig ist dabei: Die beiden Untersuchungen sind nicht direkt miteinander vergleichbar, weil unterschiedliche Gewässergruppen betrachtet wurden. Dennoch verweisen die Ergebnisse aus Sicht des BUND Berlin auf ein deutliches strukturelles Problem. Während auf Landesebene offenbar verlässlichere finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen bestehen, fehlt es den Bezirken vielerorts weiterhin an einer stabilen Basis für eine fachgerechte Gewässerpflege. Hinzu kommen Fachkräftemangel sowie aufwendige Verwaltungsabstimmungen, die selbst kleinere Aufwertungsmaßnahmen erschweren.

Das in Folge unserer beharrlichen Arbeit aufgelegte Kleingewässerprogramm des Senats ist grundsätzlich ein Fortschritt, seine Wirkung blieb im ersten Jahr aber noch begrenzt. Entscheidend ist nun, dass die Mittel künftig nicht nur kontinuierlich bereitstehen, sondern auch so eingesetzt werden können, dass sie bei möglichst vielen ökologisch wichtigen Gewässern tatsächlich ankommen.

Dazu erklärt Dirk Schäuble, Referent für Naturschutz des BUND Berlin:
„Gerade bei Kleingewässern zeigt sich, dass Naturschutz nicht allein eine Frage guter Absichten ist. Wo Finanzierung, Personal und Entscheidungswege funktionieren, entstehen auch bessere Lebensbedingungen für Amphibien. Wo diese Voraussetzungen fehlen, bleiben notwendige Verbesserungen aus.“

Ein weiterer Schwerpunkt ist das bislang oft ungenutzte Potenzial von Regenrückhaltebecken. Internationale Studien zeigen seit Jahren, dass solche Anlagen wichtige Lebensräume für seltene Arten sein können und eine relevante Rolle für den Schutz der Biodiversität spielen. Auch in Berlin gibt es nach Einschätzung des BUND mehrere Anlagen, die sich mit vergleichsweise gezielten Maßnahmen zu dauerhaften Amphibienlebensräumen entwickeln ließen.

Der BUND Berlin verweist zudem auf die kommunale Verantwortung für biologische Vielfalt. Das Bündnis KOMMBIO „Kommunen für biologische Vielfalt e. V.“ unterstützt Städte, Gemeinden und Landkreise dabei, naturnahe Pflege und biodiversitätsfördernde Entwicklung umzusetzen. Dass Berlin diesem Netzwerk angehört, muss sich nach Auffassung des BUND Berlin stärker in der praktischen Gewässerpolitik widerspiegeln.

Zentrale Forderung des BUND Berlin ist außerdem, Wasser endlich auch in der Berliner Praxis als kritische Infrastruktur zu behandeln. Daraus folge eine öffentliche Verantwortung für Pflege, Unterhaltung und Schutz der Gewässer – ausdrücklich auch der Kleingewässer, die als Lebensräume für Amphibien, Insekten und andere wassergebundene Arten eine wichtige Rolle spielen.

Darüber hinaus fordert der BUND Berlin eine Verbesserung der Datengrundlagen. Die Erfassung der Kleingewässer in Berlin muss aktualisiert und systematisch fortgeführt werden. Ebenso dringend ist die Überarbeitung der Berliner Roten Liste der Amphibien, die in wesentlichen Teilen nicht mehr den aktuellen Stand abbilde. Sie ist zuletzt 2015 aktualisiert worden – vor den Dürre- und Hitzesommern der vergangenen zehn Jahre.
 
Der BUND Berlin fordert deshalb:
 

  • eine verstetigte und verlässliche Finanzierung der Gewässerpflege
     
  • eine Stärkung der bezirklichen Straßen- und Grünflächenämter
     
  • den Abbau unnötiger Verfahrenshürden bei kleineren Pflege- und Aufwertungsmaßnahmen
     
  • ein Startprogramm für die Biotop-Entwicklung von Regenrückhaltebecken
     
  • sowie die Aktualisierung der Berliner Roten Liste der Amphibien und eine bessere Datengrundlage für Kleingewässer


Den aktuellen 5. Berliner Kleingewässerreport finden Sie unter diesem Link.

Kontakt:
Norbert Prauser, Mit-Autor des Kleingewässerreports, 030-78 79 00-54, prauser(at)bund-berlin.de
Dirk Schäuble, Referent für Naturschutz des BUND Berlin, 030-78 79 00-39, schaeuble(at)bund-berlin.de
 
 

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