A100: Keine weitere Verlängerung der Innenstadt-Autoschneise

27. August 2025 | Abgase, Autoverkehr, Klimaschutz, ÖPNV, Fahrrad, Verkehr

Berlin kann es sich nicht leisten, Geld für das Betonieren von Autobahnen zu verpulvern

Foto: BUND Berlin/Björn Obmann

Berlin, 27. August 2025: Zur Eröffnung der Verlängerung der A100 nach Treptow und Plänen für den Weiterbau erklärt Verena Graichen, Geschäftsführerin Politik des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND):

„Mit der Eröffnung der A100-Verlängerung nach Treptow werden sich Autos in die angrenzenden Viertel ergießen. Auch in Friedrichshain und Kreuzberg wird man das deutlich spüren. Ein Weiterbau der A100 ist das, was wir in Berlin überhaupt nicht brauchen können. Viele Menschen, die Umwelt und das Klima werden zusätzlich belastet statt entlastet, wie der Regierende Bürgermeister Kai Wegner behauptet.

Das Projekt ist vollkommen aus der Zeit gefallen, in vielen anderen Städten weltweit werden Autobahnen abgerissen statt ausgebaut. Zum Beispiel in Paris hat man erkannt: Wer in der Stadt lebt, braucht Grün, da muss entsiegelt werden, da haben wir ein Problem mit Hitze. Die französische Hauptstadt entwickelt sich durch das Zurückdrängen des Autoverkehrs so lebenswert, wie man es sich vor zehn Jahren nicht hätte vorstellen können.

Mit dem 17. Bauabschnitt von Treptow über Friedrichshain und Lichtenberg bis Prenzlauer Berg würde eine Schneise durch die Stadt geschlagen. Wohnhäuser, eine Schule und nicht zuletzt viele Clubs und Kulturorte müssten weichen. Damit wird auch ein Stück Stadtkultur kaputt gemacht. Denn Clubs haben es jetzt schon sehr schwer, überhaupt noch Räume zu finden.
Was wir in Berlin brauchen, sind Investitionen in den Umweltverbund, also neue Fahrradwege und Straßenbahnstrecken, um die Alternativen zum Autoverkehr zu stärken. Wir können es uns nicht leisten, Gelder für das Betonieren neuer Autobahnen zu verpulvern.

Es ist auch überhaupt nicht nachvollziehbar, wie der Bund den sicher weit über eine Milliarde Euro teuren Weiterbau der A100 stemmen will. Denn es werden sehr viele Ressourcen allein für den Erhalt der bestehenden Infrastruktur benötigt. Laut einer Erhebung des Bundes waren 2018 fast 40 Prozent der Autobahnlänge in Berlin marode. Die Lage dürfte sich seitdem nicht verbessert haben.

Leider zeigt der aktuelle Senat keinerlei Dialogbereitschaft, wie die Mobilität in Berlin nachhaltiger gemacht werden kann. Im Gegenteil: Viele Planungen, die Alternativen zum Autoverkehr gestärkt hätten, sind gestoppt worden. Der Senat setzt statt des intelligenten Ausbaus des Radverkehrs und des Straßenbahnnetzes auf unglaublich kostenintensive Großprojekte mit unklarer Realisierungsperspektive, die Berlin sich gar nicht leisten kann.“

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