BUND Landesverband Berlin

A100-Verlängerung ist ein Wahnsinnsprojekt mit utopischem Zeitplan

18. Januar 2023 | Autoverkehr, Flächenschutz, Infrastruktur, Stadtentwicklung, Verkehr

Die Planungen für eine weitere Verlängerung der A100 müssen sofort auf Eis gelegt werden. Der stadt- und umweltzerstörerische Ausbau des Hochleistungs-Straßennetzes muss enden.

Protest gegen die bereits im Bau befindliche A100-Verlängerung nach Treptow im Jahr 2021. Foto: Leonhard Lenz (CC0 1.0)

Info 03/Berlin, 18.01.23: Die derzeit von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) vorangetriebene Verlängerung des Berliner Autobahn-Stadtrings A100 vom Treptower Park bis nach Prenzlauer Berg ist „ein Wahnsinnsprojekt mit utopischem Zeitplan“. So lautet das Urteil von Tilmann Heuser, dem Geschäftsführer des Umweltverbandes BUND Berlin.

Grundsätzlich lehnen wir den stadt- und umweltzerstörerischen Ausbau des Hochleistungs-Straßennetzes ab. Allein angesichts der Klimakrise wird sich die Mobilität in Berlin ändern müssen, der Autoverkehr einen geringeren Stellenwert als heute haben. „Damit würde die Autobahn bei einer Fertigstellung in den 2040er oder 2050er Jahren hoffnungslos anachronistisch sein, sollte sie je gebaut werden“, sagt Tilmann Heuser.

„Die Planungen für die weitere Verlängerung der A100 müssen sofort auf Eis gelegt werden“, fordert Heuser. Bereits das Vorantreiben der Planung für den 17. Bauabschnitt der A 100 sei eine massive Verschwendung von Steuergeldern und von ohnehin knappen Kapazitäten in Verwaltung und Ingenieurbüros, die eigentlich für die dringend benötigte Modernisierung der bestehenden Verkehrsinfrastruktur eingesetzt werden müssen.

„Schon jetzt verzögern sich dringend nötige Sanierungsprojekte um Jahre, weil das Personal für Planung, Genehmigungsverfahren und Ausführung an allen Ecken und Enden fehlt. Dort werden die Kapazitäten benötigt, die mit einem sinnlosen Vorhaben wie der A100-Verlängerung gebunden werden“, so Heuser.

„Zudem ist bereits jetzt absehbar, dass die Kosten für die A 100 explodieren werden. Schon wegen des geplanten Doppelstocktunnels unter der Neuen Bahnhofstraße in Friedrichshain handelt es sich beim 17. Bauabschnitt um eines der waghalsigsten und kompliziertesten Verkehrsprojekte Deutschlands. Ein derart großes unterirdisches Bauwerk quer zur Grundwasserströmung im Berliner Urstromtal bauen zu wollen, lässt Bilder vom Einsturz der Tunnelbaustelle 2009 am Kölner Stadtarchiv wach werden“, so Heuser weiter.

Selbst wenn eine bauliche Umsetzung möglich sein sollte, wäre die Neue Bahnhofstraße in der Bauzeit nicht nutzbar. „Die Friedrichshainer Wohnstraße wäre für die geschätzte Dauer der Bauarbeiten von mindestens zehn Jahren komplett unbewohnbar, denn die Tunnelbaugrube würde die gesamte Fahrbahnbreite inklusive der Gehwege in Anspruch nehmen“, sagt der Geschäftsführer des BUND Berlin. Die Ver- und Entsorgung der Häuser wäre nur über die Hofseiten der Häuser möglich.

Angesichts erwartbarer Kosten von weit über einer Milliarde Euro für den Autobahn-Abschnitt ist es auch äußerst zweifelhaft, dass das Projekt die vorgeschriebene Wirtschaftlichkeitsuntersuchung übersteht. „Obwohl die Kriterien von Kosten-Nutzen-Untersuchungen Straßenbauprojekte im Vergleich zu Schienenprojekten deutlich bevorzugen, dürfte es schwer fallen, in diesem Fall einen derart hohen Nutzen nachzuweisen, dass er die exorbitanten Kosten überwiegt“, so Heuser.

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