Warschauerstr. Foto: BUND Berlin/Boillot
Berlin, 3. Dezember 2025: Die eingezäunte Rasenfläche unterhalb der Fußgängerbrücke zwischen S- und U-Bahnhof Warschauer Straße sticht ins Auge. Denn sie ist der letzte Fleck unversiegelten Bodens inmitten der Glas und Beton gewordenen Investorenträume der Umgebung. Doch natürlich gibt es auch hier eine originelle Idee, um die Komplettversiegelung zu vollenden: Ein weiteres Hochhaus soll es richten. Gegen den Willen des Bezirks befördert die Senatsbauverwaltung direkt östlich anschließend ein weiteres Hochhausprojekt.
Berlin ist weiter eifrig dabei, die Klimakrise zur Klimahölle für die heutigen und künftigen Bewohnerinnen und Bewohner zu machen. Dabei ist Friedrichshain-Kreuzberg schon jetzt der Bezirk mit dem stadtweit höchsten Versiegelungsgrad. 68,1 Prozent des Bodens im Bezirk sind von Beton, Ziegeln und Asphalt begraben. Mit der Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt“https://www.bund-berlin.de/mitmachen/gruene-flaechen-retten-hitzeschutz-jetzt/ kämpft der BUND Berlin gegen den fatalen Trend, immer mehr Freiflächen zu asphaltieren und betonieren.
Am Vortag des Weltbodentags am 5. Dezember lädt der BUND Berlin zu einer Fotoaktion
- Wann: Donnerstag, 4. Dezember 2025, 11:00 Uhr
- Wo: Helen-Ernst-Straße, Ecke Tamara-Danz-Straße (unterhalb der Fußgängerbrücke zwischen S- und U-Bahnhof Warschauer Straße)
- Wer: Aktive des Umweltverbands BUND Berlin, Aruna Reddig, Kampagnenleiterin „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt“ BUND Berlin, Dirk Schäuble, Referent für Naturschutz BUND Berlin
- Was: Fotoaktion mit Plakaten und kurzen Statements zur Bedeutung von Bodenschutz, Entsiegelung und wohnungsnahen Grünflächen
Vor Ort stehen Ihnen Ansprechpartner*innen für O-Töne, Interviews und Hintergrundgespräche zur Verfügung.
Zitate:
Dazu erklärt Kampagnenleiterin Aruna Reddig: „Eigentlich gilt in Berlin ein klares Ziel: Jede Berlinerin und jeder Berliner soll zu Fuß innerhalb von 500 Metern eine begrünte Fläche erreichen können – so ist es im Berliner Landschaftsprogramm festgelegt. In vielen dicht besiedelten Kiezen ist dieses Ziel leider reine Theorie.
Wer in hoch versiegelten Bezirken wie Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte oder Teilen Neuköllns lebt, findet häufig weder ausreichend Schatten noch wohnungsnahe Grünflächen. Spitzentemperaturen sind in diesen Steinwüsten bis zu acht Grad höher. Das ist nicht nur unangenehm – an Hitzetagen gefährdet es die Gesundheit, gerade von älteren Menschen, Kindern und chronisch Kranken. Hitzevorsorge ist Daseinsvorsorge!“
Dazu erklärt Dirk Schäuble, Referent für Naturschutz des BUND Berlin: „Böden sind Lebensgrundlage: Sie speichern Wasser, filtern Schadstoffe, bieten Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sichern Landwirtschaft und gesundes Wohnen. Doch oft wird in Berlin ohne Rücksicht weiter zubetoniert – mit schweren Folgen für Mensch und Umwelt: mehr Hitze, weniger Klimaschutz, weniger Grün.
Im Umweltatlas des Senats selbst heißt es, dass der beste Ausgleich für neue Versiegelung die Entsiegelung anderer Flächen ist – aber in der Praxis passiert das viel zu selten. Gerade in Berlin wird immer wieder damit argumentiert, dass geeignete Flächen schwer zu finden sind. Die Folge: Neubauprojekte gehen voran, während Hitzeschutz und Umweltgerechtigkeit auf der Strecke bleiben.“
Hintergrund:
Versiegelte Bezirke, hitzegeplagte Kieze
Offizielle Zahlen aus dem Umweltatlas Berlin (2021) zeigen deutliche Unterschiede bei der Versiegelung:
- Treptow-Köpenick ist mit 22,4 % der am wenigsten versiegelte Bezirk. Auf den Plätzen zwei und drei hinter Treptow-Köpenick liegen Steglitz-Zehlendorf (30 %) und Spandau (30,7 %).
- Am anderen Ende liegen Friedrichshain-Kreuzberg mit 68,1 % und Mitte mit 63,6 % – hier sind nicht nur die Versiegelungsgrade, sondern auch die bebauten Flächenanteile besonders hoch. Ebenfalls stark versiegelt sind die Innenstadtbezirke Tempelhof-Schöneberg (51,8 %) und Neukölln (48,6 %).
Diese Zahlen sind nicht nur ein Umweltproblem, sondern eine Frage der Umweltgerechtigkeit: Die negativen Folgen der Flächenversiegelung – Hitzeinseln, mehr Starkregenrisiken, fehlende wohnungsnahe Grünflächen – treffen häufig Menschen in einkommensschwachen und ohnehin belasteten Quartieren besonders hart. Das zeigen auch die Ergebnisse aus dem aktuellen Umweltgerechtigkeitsatlas 2023/2024 der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klima- und Umweltschutz.
Kampagnen-Forderung: Entsiegeln, wo neu gebaut wird
Im Rahmen der Kampagne „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ fordert der BUND unter anderem „Zusätzliche Parks und Wiesen für alle – dort, wo wir leben und arbeiten!“
Konkret heißt das:
Keine Versiegelung ohne Entsiegelung
Für jede Fläche, die für ein neues Bauprojekt versiegelt wird, müssen an anderer Stelle Flächen konsequent entsiegelt und begrünt werden – besonders in ohnehin unterversorgten Kiezen.
Konsequente Kontrolle von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen
Bezirke und Senatsverwaltung müssen systematisch überprüfen, ob sich Bauherr*innen an vereinbarte Maßnahmen zum ökologischen Ausgleich halten. Der Ausgleich auf dem Papier reicht nicht – entscheidend ist, was vor Ort wirklich entsiegelt und bepflanzt wird.
Grünflächen dort schaffen, wo Menschen wohnen und arbeiten
Neue Parks, Wiesen, Baumpflanzungen und entsiegelte Höfe müssen vor allem in den Bezirken entstehen, in denen die Versiegelung besonders hoch ist und die Versorgung mit wohnungsnahen Grünflächen schlecht ist.
Kontakt:
Aruna Reddig, Kampagnenleiterin BUND Berlin, Tel. 030-78 79 00-59, reddig(at)bund-berlin.de
Dirk Schäuble, Referent für Naturschutz BUND Berlin, Tel. 030-78 79 00-39, schaeuble(at)bund-berlin.de


