BUND: Trinkwasserförderung auf Verschleiß

21. Juli 2020 | Artenvielfalt, Bäume, Flächenschutz, Klimaschutz, Naturerleben, Stadtnatur, Stadtentwicklung, Wasser

Sinkende Grundwasserstände gefährden Moore und Wälder

Info 16 / Berlin, 21. Juli 2020: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland fordert vom Senat, ein Wassermanagement für die Trinkwasserförderung, das auch in den nächsten Jahren sowohl die Trinkwasserversorgung als auch die Ökosysteme als natürliche Grundlagen sichert.

Die morgen der Öffentlichkeit präsentierte künstliche Beregnung des vertrockneten Moores „Barssee“ im Grunewald zeigt, dass in Berlin bisher nur Symptome bekämpft werden und dies auch nur mit jahrzehntelanger Verzögerung. Die eigentliche Ursache - die seit Jahren sinkenden Grundwasserstände durch die Trinkwasserförderung - werden nicht angegangen.

Wie alle Moore in Berlin ist auch der Barssee, der einst einer der individuenreichsten Amphibienlaichplätze Berlins war, nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) geschützt. Die EU-Vorgaben für die Sicherung der FFH-Gebiete sind im Bundesnaturschutzgesetz eindeutig formuliert. Anstatt die Moore künstlich zu vernässen, muss die Senatsumweltverwaltung Maßnahmen ergreifen, die direkt an den eigentlichen Ursachen der Misere ansetzen. Das bedeutet, dass zum einen die Wasserentnahme auf ein für die Moore verträgliches Maß gedrosselt und zum anderen die Trinkwasserförderung der einzelnen Wasserwerke in ein nachhaltiges Gesamtkonzept ausgerichtet werden muss. „Was aktuell mit den Berliner Mooren und Wäldern passiert, ist eine eklatante Verletzung des Naturschutzrechts. Wenn sie noch länger anhält, wird sie juristische Konsequenzen nach sich ziehen müssen“, erklärt BUND-Wasserexperte Manfred Krauß.

Zu allem Überfluss geht das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung davon aus, dass die Grundwasserneubildung aufgrund des Klimawandels schon in den nächsten Jahrzehnten stark sinken wird. Das Niederschlagsdefizit der letzten Jahre und die dadurch verursachte reduzierte Grundwasserneubildungsrate wird den Berlinerinnen und Berlinern das Wassersparen zwangsläufig näher bringen.

Hinzu kommen die höhere Verdunstung aus den Oberflächengewässern durch höhere Temperaturen und die zunehmende Versiegelung in Berlin und im Speckgürtel. Was nicht versickert, kann auch nicht mehr gefördert werden.

Um effektiv Wasser zu sparen, müsste der Wasserverbrauch im Sanitärbereich dringend minimiert werden. „Hier muss endlich die Nutzung von Grau- und auch Regenwasser wenigstens in Neubauten vorgeschrieben werden. Eigentlich ist es unbegreiflich, dass nach wie vor frisches, sauberes Trinkwasser zum Spülen der Toilette verwendet wird. Dazu wird es in Trockensommern ein Rasenspreng- und Schwimmbad-Füll-Verbot geben müssen. Für die Gartenbewässerung kann Regenwasser in Zisternen gesammelt werden. Das hätte auch noch den Vorteil, dass dabei keine Gebühren anfallen“, so Manfred Krauß weiter.

Wenn die zuständigen Behörden jetzt nicht handeln, werden die Grundwasservorräte nach ein paar weiteren Hitze-Sommern so abgesunken sein, dass die Moore und Feuchtgebiete in Berlin keine Zukunft mehr haben. Zudem würde dies bedeuten, dass Berlin Wasser per Fernwasserleitung aus anderen Gebieten wie dem Harz, der Oder, der Elbe oder aus den Alpen beziehen müsste. Ein Blick in diese Regionen zeigt jedoch, dass sie die gleichen Probleme haben. Dort rufen sogar die Wasserwerke selbst schon zum Wassersparen auf.

Blogbeitrag zum Thema: https://umweltzoneberlin.de/2019/10/14/trinkwasserfoerderung-versus-naturschutz/


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