CDU-Autoideologie verzögert dringende Sanierung am Tempelhofer Damm

11. Mai 2026 | Autoverkehr, Verkehr, Bäume, Infrastruktur

Von Ute Bonde aufgemachter Streit um Autospuren wirft Projekt um Jahre zurück

Foto: Leonhard Lenz (CC0-1.0)

Berlin, 11. Mai 2026: Seit Jahren soll der Tempelhofer Damm eigentlich schon eine Großbaustelle sein. Die Berliner Wasserbetriebe müssen dringend überalterte Rohre tauschen und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) den Tunnel der U6 sanieren. Doch wie aus einem aktuellen Medienbericht hervorgeht, sollen die Bauarbeiten nun frühestens 2029 starten. Ursache für die Verzögerung ist der von Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) forcierte Plan, bauzeitlich den Autoverkehr auf dem Tempelhofer Damm in beiden Richtungen zweispurig aufrechtzuerhalten. Damit werden drei hochgradig bruchgefährdete Abwasser-Druckleitungen noch Jahre nicht getauscht und bleiben eine tickende Zeitbombe.

Laut ursprünglichem Plan hätte bauzeitlich nur der Autoverkehr Richtung Innenstadt zweispurig auf dem Tempelhofer Damm verbleiben sollen. Stadtauswärts wäre der Straßenverkehr über andere Straßenzüge umgeleitet worden. Entgegen bisheriger Planungen sollen auf dem Mittelstreifen auf 2,2 Kilometern Länge nun 60 bisher gerettet geglaubte Straßenbäume doch abgeholzt werden. Die Bäume sind laut Kataster bis zu 60 Jahre alt. Doch die zuständige Bezirksstadträtin Saskia Ellenbeck (Grüne) verweigert die nötigen Baumfällgenehmigungen für diesen Bereich. Ein Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg stützt dieses Vorgehen.

Der BUND Berlin lehnt die Fällung vitaler Straßenbäume ohne zwingenden Grund vehement ab. Bis neu gepflanzte Bäume Funktionen wie Verschattung erfüllen, vergehen 30 Jahre; Naturschutzfunktionen wie Bruthöhlen bilden sich oft erst nach 60 bis 80 Jahren voll aus. Einfach Straßenbäume zu fällen und später junge Bäume nachzupflanzen ist die schlechteste Lösung. Das geplante Vorgehen der Senatsverkehrsverwaltung kollidiert nach Auffassung des BUND Berlin auch mit den im Zuge des Baumentscheids gesetzlich verankerten Regelungen zum Baumschutz in Berlin.

Dazu erklärt Katharina Wolf, Verkehrsexpertin des BUND Berlin:
„Die dringend nötige Sanierung am Tempelhofer Damm darf nicht weiter verzögert werden, nur um während der Bauzeit möglichst viele Autospuren aufrecht zu erhalten. Ute Bonde ist einmal mehr mit ihrem bedingungslosen Pro-Auto-Kurs in eine ideologische Sackgasse gefahren und behindert damit die dringend nötige Sanierung der Berliner Infrastruktur. Der bereits erarbeitete Plan hatte in einem pragmatischen und zukunftsgerichteten Ansatz die unterschiedlichen Zwänge bestmöglich zur Deckung gebracht. Angesichts der Klimakrise und der extrem bedrohten Artenvielfalt sind zusätzliche Baumfällungen nicht vertretbar.“

Kontakt:
Katharina Wolf, Verkehrsexpertin BUND Berlin, 030-78 79 00-56, wolf(at)bund-berlin.de
 
 

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