Fossile Preisexplosion: Soziale Wärmewende ins Zentrum des künftigen Koalitionsvertrags stellen!

17. September 2026 | Klimaschutz, Wärmewende

Wärmegipfel formuliert drei zentrale Forderungen für eine Berliner Wärmepolitik

Foto: Leonhard Lenz (CC0 1.0)

Gemeinsame Pressemitteilung

Berlin, 17. September 2026: Wenige Tage vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen bekräftigen Teilnehmende des Berliner Wärmegipfels ihre Forderungen an die künftigen Koalitionär*innen im Roten Rathaus: Die soziale Wärmewende muss zu einem zentralen Bestandteil des nächsten Koalitionsvertrags werden. Wie zwingend entschlossene Schritte zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung sind, zeigt die aktuelle, erneute Kostenexplosion fossiler Energieträger wie Erdgas und Erdöl.

Unter dem Namen Wärmegipfel Berlin ist nun auch ein Netzwerk formiert worden, das die Entwicklung der Berliner Wärmepolitik weiter kritisch begleiten und sich zu Wort melden wird.

Die zentralen Ergebnisse des Wärmegipfels zeigen: Berlin braucht entschlossene politische Maßnahmen, um die Stadt zugleich klimaneutral und sozialer zu machen.

Drei Kernergebnisse des Wärmegipfels vom 29. August 2026

1. Fernwärme allein ist keine ausreichende Antwort auf Klimakrise und Hitzeschutz

Ein zentrales Ergebnis des Wärmegipfels lautet: Die bisherige starke Fixierung auf klassische Fernwärme greift zu kurz. Fernwärme wird nach den bisherigen Planungen erst spät und nur mit erheblichem technischem, finanziellem und ökologischem Aufwand klimafreundlich – wenn überhaupt.

Besonders problematisch sind lange Ausstiegspfade aus der Erdgasverbrennung, Hochtemperaturnetze sowie die Nutzung von Holz und Abfallverbrennung. Sie schaffen technologische Abhängigkeiten und erschweren eine schnelle, verlässliche Dekarbonisierung.
Demgegenüber können strombasierte dezentrale Heizlösungen, Erdwärmepumpen, kalte Nahwärmenetze, Abwärmenutzung und moderne Speichertechnologien die Klimaziele deutlich schneller erreichen. Mit heißer Fernwärme lässt sich zudem kein wirksamer Hitzeschutz für die Stadt realisieren. Moderne Energie- und Speicherlösungen können hingegen Klimaschutz, Kühlung, Resilienz und Quartiersentwicklung besser miteinander verbinden.

2. Wärmewende in der Mieter*innenstadt braucht demokratische Beteiligung

Klimaschutz und Wärmewende sind gerade in der Mieter*innenhauptstadt Berlin nicht nur technische Fragen. Sie sind soziale und demokratische Gestaltungsaufgaben. Die Menschen, die wohnen, heizen und zahlen, müssen verbindlich an den Entscheidungen über die künftige Wärmeversorgung beteiligt werden.

Gebraucht werden deshalb ein politisch und demokratisch legitimiertes Lenkungsgremium zur Fernwärme sowie eine zentrale Leitstelle für Nahwärme. Beide Strukturen sollen in einen übergreifenden Lenkungsrat Wärmewende eingebunden werden.

Dieser Lenkungsrat soll Vertreter*innen aus Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Fachpraxis und Stadtgesellschaft zusammenbringen. Er soll Grundlagen für künftige politische Entscheidungen erarbeiten und sicherstellen, dass die Wärmewende sozial gerecht, transparent und demokratisch kontrolliert umgesetzt wird.

3. Bezirke sind Schlüsselakteure der sozialen Wärmewende

Eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Wärmewende kommt den Berliner Bezirken zu. Sie kennen die Quartiere, Gebäude, Flächenpotenziale, sozialen Herausforderungen und lokalen Akteure vor Ort. Gerade bei Nahwärme, kalten Wärmenetzen, Erdwärme, Abwärmenutzung und Speicherlösungen sind die Bezirke unverzichtbar.

Damit sie diese Verantwortung wahrnehmen können, müssen die Bezirke schnellstmöglich personell, fachlich und finanziell gestärkt werden. Sie brauchen zusätzliches Personal, technisches Know-how, Planungskompetenzen und klare Zuständigkeiten für die soziale Wärmewende.

Fördermittel von Land, Bund und Europäischer Union müssen dafür wieder erschlossen und zugänglich gemacht werden. Kommunale Träger, Genossenschaften, Bürgerenergie-Gemeinschaften und engagierte lokale Initiativen benötigen diese Unterstützung dringend, um konkrete Projekte in den Quartieren umzusetzen.

Landeseigene Wohnungsunternehmen sowie öffentliche Gebäude und Liegenschaften sollen dabei als Ankerkunden stärker in Verantwortung genommen werden. Sie können lokale Wärmenetze absichern, Investitionen ermöglichen und die Wärmewende vor Ort beschleunigen.

Appell an die künftige Koalition

Die Teilnehmenden des Berliner Wärmegipfels fordern die künftige Koalition auf, die soziale Wärmewende ins Zentrum ihres Regierungsprogramms zu stellen. Berlin braucht keine regulatorischen Schnellschüsse, sondern einen demokratisch getragenen, sozial gerechten und klimapolitisch wirksamen Umbau der Energie- und Wärmeversorgung.

Die soziale Wärmewende entscheidet sich in den Quartieren, in den Häusern und bei den Menschen. Sie gelingt nur, wenn Klimaschutz, Bezahlbarkeit, Hitzeschutz und Beteiligung gemeinsam gedacht werden.
 
Der Wärmegipfel wurde organisiert von:
BUND Berlin, Matthias Krümmel, kruemmel(at)bund-berlin.de, 030-78 79 00-63
Berliner Energietisch, Judith Dellheim, info(at)berliner-energietisch.eu
Naturfreunde Berlin, Uwe Hiksch, uwe.hiksch(at)t-online.de
Klimaneustart Berlin, Micha Grosch, grosch(at)klimaneustart.berlin
Powershift, Neelke Wagner, neelke.wagner(at)power-shift.de, 0157-524 66 920
 

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