Kai Wegner will Berlin Bebauung des Tempelhofer Felds aufzwingen

04. August 2025 | Bauen, Flächenschutz, Klimaschutz, Stadtnatur, Stadtentwicklung

Naturschutz und Lebensqualität sollen büßen für Versagen in der Mietenfrage

Foto: mangtronix (CC BY-SA 2.0)

Berlin, 4. August 2025: Erneut startet Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) einen öffentlichen Vorstoß für die Bebauung des Tempelhofer Feldes. „Vielleicht schon 2026“ möchte er die Bevölkerung dazu befragen, erklärt er im Zeitungsinterview.

Dazu erklärt Gabi Jung, Geschäftsführerin des BUND Berlin:
„Die Berliner Bevölkerung hat bereits 2014 entschieden: Sie möchte das Tempelhofer Feld von Bebauung freihalten. Auch das Argument, dass diese Entscheidung bereits ein Jahrzehnt zurückliegt, verfängt nicht. Schließlich wurde diese Haltung erst 2024 in einer Beteiligungswerkstatt mit 275 repräsentativ ausgewählten Berlinerinnen und Berlinern bestätigt. Die Teilnehmenden haben sich einstimmig gegen die Bebauung des Tempelhofer Felds ausgesprochen – obwohl alles darauf angelegt war, ihnen eine Zustimmung abzuringen.

Zudem erklärt Kai Wegner in unguter Tradition der Bebauungskoalition mit der SPD erneut nicht, wie so eine mögliche Befragung ablaufen sollte. Eine Volksabstimmung von oben ist in der Berliner Verfassung nicht vorgesehen. Da für Verfassungsänderungen eine Zwei-Drittel-Mehrheit benötigt wird, gibt es angesichts der Haltung der demokratischen Opposition in dieser Frage auch keine Perspektive, dass dieses Instrument zügig eingeführt werden würde.

Eine Bebauung des Tempelhofer Feldes wäre ein Fanal für die Zukunftsfähigkeit Berlins. Die Folgen der Bebauungsfantasien für Menschen, Klima und Umwelt wären fatal. Berlin muss klimafit werden. Berlin muss alle noch nicht versiegelten Flächen freihalten: Um die immer kostbarer werdenden Niederschläge im Boden versickern zu lassen. Um die immer weitere Aufheizung der Stadt zu verhindern und sie stattdessen abzukühlen. In den letzten Jahren gab es mehr Hitzetote als Verkehrstote. Und nicht zuletzt muss die Stadtnatur geschützt werden.

Für den benötigten Wohnungsbau gibt es mehr als ausreichend ungenutzte Potenziale in Berlin. Dazu zählen 1,6 bis 1,8 Millionen Quadratmeter leere Büroflächen, bis zu 30.000 illegale Ferienwohnungen, die Nutzung bereits versiegelter Flächen und Dachgeschosse und auch das Flughafengebäude selbst.“
 
Zu Neubau und Mieten

Die große Leerstelle in der ganzen Bebauungs-Argumentation ist die Frage, wie sie den Berlinerinnen und Berlinern helfen sollte. Denn bis auf dem Tempelhofer Feld gebaut werden könnte, würden ein bis zwei Jahrzehnte ins Land gehen.

Die allergrößte Beschwernis der Bevölkerung sind die explodierenden Mietpreise. Die Mieten über Neubau regulieren zu wollen ist ein absurdes Vorgehen, das volkswirtschaftlich und vom Ressourcenverbrauch her unsinnig wäre. Die Mietpreise lassen sich durch Neubau allerdings nicht einfangen oder gar senken. Es sind die in den letzten Jahren vervielfachten Bodenpreise, die Neubaukosten und das Mietpreisrecht, die diese Entwicklung befördert haben. Die CDU war und ist immer an vorderster Front der Gegner, wenn es um die Anpassung der Mietpreisgestaltung an die Bedürfnisse der sozialen Wohnraumversorgung geht.

Es bräuchte einen massiven Wohnungsüberhang in sechsstelliger Höhe, um mit simplen Marktmechanismen die Mietpreise zu stabilisieren oder zu senken. Den gab es im Nachwende-Berlin nur wegen des Absturzes des regionalen Wirtschaftsleistung und daraus folgenden schrumpfenden Bevölkerungszahlen, die diametral zu den Prognosen eines schnellen Hauptstadtbooms erfolgte. Private Marktakteure werden keinesfalls massenhaft potenziell leerstehende Wohnungen bauen.

 

Kontakt:
Gabi Jung, Geschäftsführerin BUND Berlin: jung(at)bund-berlin.de

 

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