U8 ins Märkische Viertel: Bohren statt Bauen

01. Juli 2026 | Verkehr, ÖPNV

Mobilitätswende braucht konkrete Fortschritte statt wackliger Versprechen

Foto: Uzyel (CC BY-SA 3.0)

Berlin, 1. Juli 2026: Diesen Mittwoch feiern Senat und BVG im Märkischen Viertel den Beginn von Erkundungsbohrungen für eine mögliche Weiterführung der U8. Damit beginnt ein weiteres Kapitel in der 60-jährigen Geschichte unerfüllter Versprechen für eine gute Verkehrsanbindung der Großsiedlung im Berliner Norden. Ob die U-Bahn angesichts hoher Kosten und der angespannten Haushaltslage überhaupt gebaut wird, bleibt offen. Selbst im besten Fall wäre eine Eröffnung frühestens in den 2040er Jahren zu erwarten. Der BUND Berlin fordert stattdessen einen schnelleren Ausbau der Straßenbahn, um das Märkische Viertel zügig und verlässlich anzubinden.

Dazu erklärt Katharina Wolf, Verkehrsexpertin des BUND Berlin:
„U-Bahnen sind die Autobahnen des städtischen Nahverkehrs. Für diesen Korridor wäre allerdings angesichts des Fahrgastpotenzials eher eine Bundesstraße angemessen. Wieder auf den ÖPNV übertragen entspricht das der Straßenbahn. Eine Tramanbindung des Märkischen Viertels ist daher nach Ansicht des BUND Berlin die sinnvollste Option.

In einer ersten Stufe als Verlängerung der derzeit in Rosenthal endenden Tramlinie M1. Eine weitere notwendige Stufe wäre die Komplettumstellung der Buslinie M21 bis Jungfernheide auf die Straßenbahn. Die Tram kann das Gebiet vergleichbar flächendeckend erschließen wie ein Bus, verbunden mit höherer Kapazität, mehr Tempo und einer wesentlich höheren Beförderungsqualität. Und das bei geringeren Kosten als die U-Bahn. Eine neue Straßenbahnstrecke kostet pro Kilometer nur etwa ein Zehntel neuer U-Bahn-Strecken.

Angesichts der Haushaltslage des Landes Berlin droht das Projekt einer U8-Verlängerung ein Torso zu bleiben. Berlin hatte das selbst schon einmal nach der Wende erlebt, als der weit fortgeschrittene Bau der U5 wegen Geldmangels für viele Jahre unterbrochen worden ist. In Brüssel ist dieses Jahr wegen ausufernder Kosten der begonnene Bau der neuen Metrolinie 3 für mindestens zehn Jahre pausiert worden. Stattdessen wird nun eine neue Tramlinie gebaut.

Die Kosten einzelner Straßenbahnprojekte sind vergleichsweise so gering, dass ein Weiterbau auch in einer Haushaltskrise möglich ist. Berlin muss die Mobilitätswende konsequent umsetzen und auf finanzierbare Projekte statt auf utopische Infrastrukturversprechen setzen.“

Kontakt:

Katharina Wolf, Verkehrsexpertin BUND Berlin, 030-78 79 00-56, wolf(at)bund-berlin.de

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