888 Millionen Euro Kosten oder mehr für Magnetbahn statt Tram

21. Oktober 2026 | ÖPNV, Verkehr, Umweltzone, Stadtentwicklung

Akteneinsicht des Bündnis Pro Straßenbahn offenbart horrende Kosten für Stelzenbahn in Spandau

Grafik: Bündnis Pro Straßenbahn Berlin, Beschriftung: BUND Berlin

Das Votum der zuständigen Fachabteilung in der Senatsverkehrsverwaltung ist eindeutig: „Derzeit kann das TSB in der Form fachlich kostenseitig nicht als Alternative vertreten werden.“ Gemeint ist damit das „Transport System Bögl“, die Magnetschwebebahn des bayerischen Baukonzerns Max Bögl, das das Bezirksamt Spandau und Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) statt einer herkömmlichen Straßenbahn für die leistungsfähige Erschließung im Bereich zwischen Bahnhof Spandau und der geplanten Urban Tech Republic (UTR) auf dem Gelände des Ex-Flughafens Tegel haben wollen.

Die Straßenbahnplanung sieht bisher so aus: Auf rund 13 Kilometer Streckennetz sollen die UTR, der 2029 wieder in Betrieb zu nehmende Endbahnhof Gartenfeld der Siemensbahn, der U-Bahnhof Paulsternstraße, der Spandauer Ortsteil Hakenfelde sowie der Verkehrsknoten am Rathaus und Bahnhof Spandau verbunden werden.

Für das Straßenbahnprojekt sind 2022 Baukosten von rund 300 Millionen Euro ermittelt worden. Für den Bau der Bögl-Magnetbahn schätzte die Abteilung IV der Senatsverkehrsverwaltung im Februar 2026 Kosten von 592,1 Millionen Euro im unteren Szenario und 888,1 Millionen Euro im oberen Szenario. „Insbesondere die Werte des TSB sind mit erheblichen Unsicherheiten belegt und können aufgrund fehlender neutraler technischer Machbarkeitsstudien nochmals deutlich höher liegen“, warnen die Fachleute. „Aus fachlicher Sicht ist die Straßenbahn weiterhin dringend erforderlich, um eine adäquate Anbindung der Entwicklungsgebiete sicherzustellen“, heißt es an anderer Stelle.

Die Angaben entstammen Akten der Senatsverkehrsverwaltung und der Senatskommission Wohnungsbau, die das Bündnis Pro Straßenbahn Berlin eingesehen hat. Das Bündnis aus zahlreichen Verbänden, Vereinen und Parteien setzt sich für den zügigen und flächendeckenden Ausbau der Straßenbahn in Berlin. Auch der BUND Berlin gehört dem Bündnis an.

Aus den Akten geht auch hervor, dass bereits seit Mitte 2023 alle Angaben zur Verfügung standen, um eine Senatsvorlage für den formalen Beschluss der Weiterführung der Straßenbahnplanungen in diesem Bereich einzubringen und zu beschließen. Doch weder die erste CDU-Verkehrssenatorin Manja Schreiner, noch ihre Nachfolgerin Ute Bonde brachten die Vorlage ein. Und das obwohl laut den Akten weitere neun Jahre veranschlagt werden, bis nach allen Planungs-, Genehmigungs- und Bauschritten die Straßenbahnen tatsächlich rollen können.

Der Grund ist simpel: „Sen Schreiner hatte am 15. 03. 2024 gegenüber dem Bezirk zugesagt, die Straßenbahn nicht weiter zu betrachten.“ Ute Bonde erneuerte diesen Schwur gegenüber den Straßenbahnhassern in Spandau.

Die Blockadetaktik gefährdet auch die Wohnungsbauziele des Berliner Senats. Ausführlich nachzulesen im aktuellen Beitrag auf

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