Magnetschwebebahn für Spandau kann leicht Milliardengrab werden

21. Oktober 2026 | ÖPNV, Verkehr, Populismus

Akteneinsicht zeigt: Fachleute der Senatsverkehrsverwaltung sehen Tram als einzige Option

Foto: BUND Berlin/Nicolas Šustr

Berlin, 20. Oktober 2026: Die von Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) und der Spandauer CDU forcierte Magnetschwebebahn für die Verbindung zwischen der Urban Tech Republic, Gartenfeld und weiteren Orten im Bezirk ist keine Alternative zur bisher geplanten Straßenbahn. Zu diesem Schluss kommt nicht nur der BUND Berlin, sondern auch die eigene Fachabteilung der Senatsverkehrsverwaltung. Das ergibt eine vom Bündnis Pro Straßenbahn Berlin erwirkte Akteneinsicht. Der BUND Berlin gehört dem Bündnis an.

Bereits seit Mitte 2023 liegen der Verkehrsverwaltung alle Unterlagen vor, mit denen eine Senatsvorlage für den nötigen Beschluss für die Weiterführung der Straßenbahnplanung hätte eingebracht werden können. Doch beide CDU-Verkehrssenatorinnen blockierten weitere Schritte aus Rücksicht auf die Tramphobie der Spandauer Bezirksverantwortlichen. Dabei rechnet die Verwaltung mit weiteren neun Jahren Planungs- und Bauzeit bis zur Realisierung der dringend nötigen Strecken ab Beschlussdatum.

Dazu erklärt Katharina Wolf, Verkehrsexpertin des BUND Berlin:
„Es muss endlich Schluss sein mit den Tramverhinderungsplanungen in Spandau. Denn so wird nur die untragbare ÖPNV-Qualität und -Kapazität auf den zahlreichen überlasteten Bus-Korridoren immer länger zementiert. Die unhaltbaren politischen Versprechungen von Bezirk und Landesebene für Magnetschwebebahnen oder U-Bahn-Erweiterungen führen einzig dazu, dass nichts passiert. Pendlerinnen und Pendler leiden Tag für Tag in überfüllten und unpünktlichen Bussen. Insbesondere Menschen mit Kinderwagen oder im Rollstuhl müssen nicht selten mehrere Busse abwarten, bis sie mitfahren können. Damit werden auch die Umwelt- und Klimaziele im Verkehr besonders deutlich verfehlt.“

Informationen aus der Akteneinsicht

Während für das rund 13 Kilometer lange geplante Straßenbahnnetz mit Endpunkten an der Urban Tech Republic, dem U-Bahnhof Paulsternstraße, dem Bahnhof Spandau und in Hakenfelde im Jahr 2022 Kosten von rund 300 Millionen Euro ermittelt worden sind, rechnet die zuständige Fachabteilung mit zwei- bis dreifachen Ausgaben für eine Magnetschwebebahn mit der Technologie des Transport System Bögl (TSB). Konkret sind für die Magnetschwebebahn Kosten von 592,1 Millionen Euro im unteren Szenario und 888,1 Millionen Euro im oberen Szenario ermittelt worden, wie sich aus der entsprechenden Kostenschätzung ergibt.

„Insbesondere die Werte des TSB sind mit erheblichen Unsicherheiten belegt und können aufgrund fehlender neutraler technischer Machbarkeitsstudien nochmals deutlich höher liegen“, heißt es wörtlich in dem Verwaltungspapier. Somit kann bei den Kosten leicht die Milliardengrenze überschritten werden. Statt 23,1 Millionen Euro pro Kilometer bei der Tram wird die Realisierung einer Magnetschwebebahn demnach 45,5 bis 68,3 Millionen Euro pro Kilometer verschlingen.

Bei der Untersuchung für eine mögliche Nürnberger TSB-Strecke lagen die Kostenannahmen bei 19 Millionen Euro pro Kilometer inklusive Stationen. „Die Kosten pro Kilometer als aufgeständertes TSB sind jedoch reine Herstellerangaben, die bisher nicht technisch von einem neutralen Gutachter geprüft wurden“, merken die Fachleute aus der Senatsverkehrsverwaltung an. Darüber hinaus seien „bei den Kosten einige Sachverhalte nicht berücksichtigt“ worden.

Genannt werden unter anderem nötige Leitungsumverlegungen, deutlich teurere Fundamentkonstruktion für die Pfeiler der Stelzenbahn als angenommen sowie der Bau von teureren Sonderkonstruktionen für die Überbrückung von vier Gewässern. Die Magnetschwebezüge verbrauchen im Betrieb demnach auch deutlich mehr Strom als Straßenbahnen. Vollkommen unklar sind demnach auch die Wartungskosten für die Fahrzeuge.

„Die deutlich höheren Kosten lassen an einem volkswirtschaftlichen Ergebnis im Sinne der Landeshaushaltsordnung zweifeln“, so das Fazit der Fachabteilung der Senatsverkehrsverwaltung. Somit dürfte der Bau einer Magnetschwebebahn wegen Unwirtschaftlichkeit nicht beauftragt werden.

Kaum Chancen räumen die Fachleute der Verkehrsverwaltung laut den Unterlagen auch einer Verlängerung der U7 von Rathaus Spandau zur Heerstraße ein. Nur eine der untersuchten Führungen kam überhaupt sehr knapp mit einem Wert von 1,02 in der Nutzen-Kosten-Untersuchung in den Bereich der Förderfähigkeit durch den Bund, ohne die an eine Realisierung überhaupt nicht zu denken ist.

Aus diesem Grund sei das Projekt „stark risikobehaftet“, da bereits geringe Kostensteigerungen die Förderfähigkeit zunichtemachen würden. Dabei wird eine Parallele zur U3-Verlängerung zum Mexikoplatz gezogen, für die derzeit das Planfeststellungsverfahren läuft.

Eine Besserung des Indizes durch Nutzensteigerung sei "schwierig zu realisieren", heißt es weiter. Möglich wäre dies durch weitere Einsparungen im Busverkehr, so die Fachleute. "Diese müssten allerdings so erheblich sein, so dass kein/kaum ein attraktives Busangebot mehr besteht." Es sei im Korridor auch "kein erheblich zusätzlicher Wohnungsbau geplant", der mehr Fahrgäste bescheren könnte.

Die ideologisch motivierte Straßenbahnblockade gefährdet auch die Wohnbauziele des Senats. „Eine Einstellung der weiteren Planungen gefährdet die Realisierung des Wohnungsbaus (2/3 der Insel Gartenfeld) und insbesondere des Siemensstadt Square“, heißt es in den Unterlagen. Rund 17.000 Wohnungen sind im betroffenen Spandauer Raum in den letzten Jahren bereits entstanden oder sollen gebaut werden.

Weitere Details aus der Akteneinsicht zur Magnetschwebebahn sind in diesem Beitrag nachzulesen.

Die Howoge schlägt auch für Spandau ein Seilbahnnetz vor, das ebenfalls bei den Fachleuten der Senatsverkehrsverwaltung durchfiel. Mehr dazu hier.

Kontakt:
Nicolas Šustr, Sprecher BUND Berlin, sustr(at)bund-berlin.de

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