BUND Landesverband Berlin

Gib der Dunkelheit eine Chance

18. November 2022 | Artenvielfalt, Bauen, BUNDzeit-Artikel, Garten, Nachhaltigkeit, Stadtnatur, Vögel

Die aktuelle Energiekrise ist eine gute Gelegenheit, ein lange unterschätztes Problem anzugehen: Lichtverschmutzung

www.darksitefinder.com zeigt die geografische Verteilung der Lichtverschmutzung

Auf unserem Planeten wird es immer heller. Durchschnittlich um sechs Prozent pro Jahr nimmt künstliches Licht zu, in manchen Regionen liegt die Wachstumsrate bei bis zu 20 Prozent. Das bleibt nicht ohne Folgen für Menschen, Tiere und Pflanzen, denn schließlich ist das Leben auf der Erde insgesamt an den beständigen Wechsel von Licht, Dämmerung und Dunkelheit angepasst.

Besonders stark betroffen sind Insekten, von denen rund die Hälfte nachtaktiv ist. Bei den „Bienen der Nacht“, den Nachtfaltern, die eine sehr wichtige Funktion für die Bestäubung haben, sind es sogar über 80 Prozent. Für sie ist der sogenannte Staubsaugereffekt problematisch: Sie verlassen ihre Lebensräume, weil sie von Lichtquellen wie beispielsweise Straßenlaternen angezogen werden, wo sie desorientiert leichte Beute für andere Tiere sind oder an Erschöpfung sterben. Beleuchtete Wege wirken als Barriere, sie gelangen auf ihren Wanderungen nicht weiter. Vor allem aber kommen sie nicht zu ihren eigentlichen Tätigkeiten, nämlich Nahrung und Fortpflanzungspartner suchen. Fehlen die Insekten, gerät die ganze Nahrungskette in Unordnung. Auch im Wasser verändert die aufgehellte Nacht das Artengleichgewicht, wenn etwa eigentlich tagaktive Räuber ihren Aktionszeitraum ausdehnen.

Rund 75 Prozent der Biomasse der Insekten ist bereits verschwunden. Die Zahl der Vögel, die insbesondere in der Brutphase auf Insekten angewiesen sind, ist infolgedessen drastisch dabei zu sinken.  In mehrfacher Hinsicht leiden Vögel unter Lichtverschmutzung. Zugvögel können auf ihren zumeist nächtlichen Bahnen erheblich von Beleuchtung gestört werden, bis hin zur Kollision mit beleuchteten Hochhäusern, insbesondere bei Bewölkung. Hierzu tragen Skybeamer und die zunehmende Glasarchitektur bei.

Was können Kommunalverwaltungen, Wirtschaft und Privatleute gegen Lichtverschmutzung tun? Zunächst müssen sie sich klarmachen: Es gibt keine Beleuchtungspflicht, sondern nur eine Verkehrssicherungspflicht. Um dieser zu genügen, schadet es in der Regel nicht, bei der Beleuchtung den Blauanteil zu reduzieren, die Helligkeit zu dimmen und die Dauer zu verkürzen. Besonders wichtig ist die Richtung der Beleuchtung. Sie sollte niemals nach oben, sondern immer nach unten zeigen. Statt Flächen großräumig zu beleuchten, reichen meist einzelne Spots. Für Kommunen stellt zurückhaltender Lichteinsatz ein beachtliches Sparpotenzial dar: Fast die Hälfte ihres Stromverbrauchs ist der Beleuchtung von Straßen und öffentlichen Plätzen geschuldet.

Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 2022-4.

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