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BUND Landesverband Berlin

Schwere Vögel hinter Zäunen

28. April 2018 | BUNDzeit-Artikel, Landwirtschaft, Lebensräume, Naturerleben, Naturschutz, Stadtnatur, Artenvielfalt

Auf den Belziger Landschaftswiesen lebt mit der Großtrappe eine echte Rarität. Der schwerste flugfähige Vogel Europas kommt nur noch an drei einzelnen Orten in Deutschland vor.

Die Großtrappe liebt das Gelände offen und übersichtlich. Foto: Franceso Veronesi, CC BY-SA 2.0

Fangen wir mit dem Kleingedruckten an, mit dem Haftungsausschluss: Wir übernehmen keine Gewähr für Großtrappensichtungen. Obwohl sie mit einer Körperlänge von einem halben Meter (Weibchen) beziehungsweise über einem Meter (Männchen) nicht zu den kleinen Vögeln zählen, sind Großtrappen nicht gerade einfach zu sehen. Mit ihrem braungescheckten Gefieder passen sie sich perfekt den Wiesen und Ackerbrachen an, auf denen sie bevorzugt leben. Wer sie beobachten möchte, braucht Geduld, eine gewisse Frusttoleranz und ein gutes Fernglas. Näher als auf etwa 600 Meter wird man sich ihnen nicht nähern können, ohne dass die scheuen Tiere die Flucht ergreifen. Den besten Blick bieten zwei eigens für Vogelfans errichtete Türme: einer am südlichen Rand der Wiesen entlang des Europaradwegs R1 zwischen Baitz und Brück und einer im Norden am Ufer der Plane. Die beste Zeit zum Großtrappen-Spotting ist die Balzzeit zwischen Mitte März und Ende Mai. Dann plustern sich die Männchen auf, sodass ihr weißes Untergefieder gut aus der Entfernung zu erkennen ist.

Genau 75 Großtrappen leben in dem rund 4.500 Hektar großen Naturschutzgebiet „Belziger Landschaftswiesen“ im Dreieck zwischen den Gemeinden Brück, Bad Belzig und Planebruch, weitere 91 im Fiener Bruch kurz hinter der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt und schließlich 93 Exemplare im Havelländischen Luch (Stand: Februar 2018). Diese drei Populationen sind die letzten in Deutschland. In ihrem gesamten Verbreitungsgebiet von der Iberischen Halbinsel bis zur Mongolei kommt die Trappe in nennenswerten Zahlen nur noch in Spanien (rund 30.000), Russland (5.000), Portugal (1.900) und Ungarn (1.500) vor.

Früher jagten Menschen die Großtrappen, heute sind es Füchse

Im 18. Jahrhundert stand der „Märkische Strauß“ auf der Abschussliste, weil die Bauern ihre Feldfrüchte nur ungern mit ihm teilen wollten, doch so richtig in Schwierigkeiten geriet er mit der Intensivierung der Landwirtschaft: Zählte man 1939 noch 3.400 Großtrappen in Brandenburg, waren es 1996 weniger als 100. Dank eines Auswilderungsprogramms stabilisierte sich die Population, dennoch hat die Großtrappe immer noch den Status „vom Aussterben bedroht“. In den drei deutschen Schutzgebieten sind Beutegreifer die größte Gefahr für den Bruterfolg: Füchse, Marderhunde, Waschbären. Deshalb sind rund 38 Hektar auf der Belziger Wiesenlandschaft eingezäunt und auch für Menschen nicht zugänglich.

Außerhalb des Zauns lässt sich gut beobachten, welche Bedingungen für das Überleben der Großtrappe wichtig sind: abwechslungsreiche, aber offene Flächen, auf denen mögliche Feinde schon von Weitem zu erkennen sind. Etwa die Hälfte der Fläche im Naturschutzgebiet wird extensiv landwirtschaftlich genutzt, sodass den bis zu 16 Kilo schweren Vögeln neben Arealen mit Spontanvegetation auch Wiesen und Äcker zur Verfügung stehen. Davon profitieren auch Rebhühner, Kiebitze und Feldlerchen, vor allem Letztere sind gut zu sehen und zu hören. Die örtlichen Bäuerinnen und Bauern erhalten Geld für bestimmte Naturschutzleistungen: Sie mähen die Wiesen (nicht zu oft und nur bei Tag), pflanzen Hecken zwischen einzelnen Feldern und Bäume entlang der Wasserläufe und verzichten auf Pflanzenschutzmittel und Dünger. So gibt es, falls sich die Großtrappen nicht zeigen sollten, immer noch etwas zu sehen, nämlich die Form von Landwirtschaft, die mit dem Erhalt von Artenvielfalt kompatibel ist.

Anfahrt: Aus Potsdam/Berlin mit dem RE 7 Richtung Dessau nach Brück (Mark) oder Baitz

www.grosstrappe.org

Dieser Beitrag erschien in der BUNDzeit 2018-2

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