A100-Brückenbau: Spürbarer Kapazitätsausbau ohne Planfeststellung

04. Dezember 2025 | Autoverkehr, Infrastruktur, Stadtentwicklung, Verkehr, ÖPNV

BUND Berlin kritisiert Rechtsdehnung bei Neubau von Westendbrücke und Ringbahnbrücke

Foto: Leonhard Lenz (CC0 1.0)

Berlin, 4. Dezember 2025: Diesen Freitag wird der erste Spatenstich für den Ersatzneubau der Westendbrücke im Zuge des Stadtrings A100 Richtung Wedding gefeiert. Doch der Ersatzneubau der Brücke, für den das zuständige Fernstraßen-Bundesamt ein Planfeststellungsverfahren für entbehrlich hielt, wird wesentlich breiter und leistungsfähiger als das zwischenzeitlich abgerissene Altbauwerk. Es wird vier statt bisher drei Spuren aufweisen.

Neben den drei bisher schon vorhandenen Fahrstreifen soll zusätzlich ein durchgängiger sogenannter Verflechtungsstreifen von der Einfahrt Kaiserdamm bis zur Ausfahrt Spandauer Damm entstehen. Zusammen mit der vorgesehenen Verbreiterung der Fahrspuren dürfte die Brücke deutlich breiter ausfallen als es bisher mit rund 15 Metern der Fall. Allerdings wird es außer schallreduzierendem Asphalt keine zusätzlichen aktiven Lärmschutzmaßnahmen geben.

Damit setzen die zuständige Planungsgesellschaft DEGES, die Autobahn GmbH des Bundes sowie das Fernstraßen-Bundesamt eine Praxis fort, die sie beim bereits laufenden Ersatzneubau der Ringbahnbrücke angewandt haben. Ohne Planfeststellungsverfahren wird der Neubau mit 24 Metern um die Hälfte breiter ausfallen und zudem bis zu acht Meter hohe Lärmschutzwände erhalten. Ein zusätzlicher Fahrstreifen dient der Einfädelung des Verkehrs von der AVUS (A115), zudem wird die Brücke mit einem Pannenstreifen versehen.

Vor Ort Betroffene und beispielsweise Umweltverbände haben somit keine Möglichkeit, die getroffenen Annahmen und gewählten Lösungen im Rahmen einer Auslegung und des Anhörungsverfahrens in Zweifel zu ziehen und gegebenenfalls gerichtlich überprüfen zu lassen. Festzuhalten bleibt: Ohne die aktive Beförderung eines solchen Vorgehens durch den Berliner Senat wäre das nicht möglich gewesen.

Solche Genehmigungspraxis zeigt die massive Schieflage bei der Behandlung von Auto- und Schienenverkehr. Müssen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) beim Ersatzneubau von Straßenbahngleisen die Gleislage im Straßenland um mehr als 80 Zentimeter verschieben, verlangen die Berliner Landesbehörden ein langwieriges Planfeststellungsverfahren. Ebenso für den Ersatzneubau der Brücken im Zuge von U1 und U3 am Gleisdreieck. Hierfür sind zwar Berliner Landesbehörden zuständig, während bei der A100 das Genehmigungsverfahren in der Hand einer Bundesbehörde liegt. Aber auch der Deutschen Bahn steht bei Ersatzneubauten in der Regel vor deutlich höheren Hürden.

Dazu erklärt Katharina Wolf, Verkehrsexpertin des BUND Berlin: „Unter dem Deckmantel eines Ersatzneubaus wird eine wesentlich leistungsfähigere Autobahn-Infrastruktur geschaffen, ohne dass die Öffentlichkeit mitreden kann. So begrüßenswert zusätzlicher Lärmschutz ist, können die Auswirkungen derart massiver Bauwerke wie Verschattung oder das mögliche Weitertragen von Autobahnlärm in bisher nicht betroffene Bereiche nicht überprüft werden.

Die A100 spielt eine wichtige Rolle, um Wohnviertel von Schwer- und Wirtschaftsverkehr zu schonen. Für diese Zwecke wäre eine durchgehend zwei- statt derzeit dreistreifige Autobahn vollkommen ausreichend. Keinesfalls darf es Ziel sein, zusätzlichen motorisierten Individualverkehr anzuziehen sowie Güterverkehr, der Berlin bloß im Transit passiert. Verkehrswende passiert nicht einfach, sie muss aktiv vorangetrieben werden durch Rückbau übergroßer Straßeninfrastruktur. Doch dafür fehlt der politische Wille.

Es wäre technisch durchaus möglich, über Preisanreize bei der Autobahnmaut den Transit-Lastverkehr auf den Berliner Ring A10 zu lenken und somit die derzeitige extreme Belastung von Anwohnerinnen und Anwohner durch den Lkw-Umleitungsverkehr auf den Stadtstraßen rund um das Dreieck Funkturm zu reduzieren. Doch selbst dafür fehlt der politische Wille.“

Das Kiezbündnis Klausenerplatz ruft für Freitag den 5. Dezember von 13.30 Uhr bis 15 Uhr zu einer Demonstration auf der Knobelsdorffbrücke gegen den Neubau der Westendbrücke in dieser Form auf. (Kontakt: Martin Burth, burth(at)klausenerplatz.de)
 
Kontakt:
BUND Berlin, Nicolas Šustr, 030-78 79 00-14, sustr(at)bund-berlin.de

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