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BUND Landesverband Berlin

Vogelfalle Neuen Nationalgalerie – was hätte Mies getan?

12. September 2018 | Artenvielfalt, Stadtentwicklung, Stadtnatur

Info 16/ Berlin, 12. September 2018

Der BUND Berlin hat festgestellt, dass der gläserne Pavillon der Neuen Nationalgalerie eine tödliche Falle für Vögel ist. In einer Untersuchung des BUND wurden regelmäßig zahlreiche Aufprallspuren gefunden, die auf verendende Vögel an den transparenten Wänden hinweisen.

Im Zuge der Grundsanierung des Gebäudes könnte dieses Problem nun mit relativ einfachen Mitteln behoben werden. Auf Anfrage des BUND Berlin zeigte sich Dirk Lohan, Enkel von Mies van der Rohe und selbst erfahrener Architekt in Chicago, offen dafür. gemeinsam eine Lösung mit zusätzlichen Gestaltungselementen seines Großvaters zu entwickeln.
Allerdings zeigten sich sowohl der Denkmalschutz als auch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz wenig problembewusst.

Um transparentes Glas für Vögel sichtbar zu machen, hilft nur eine sichtbare Barriere.
Im Zuge der Sanierung werden im oberen Ausstellungssaal zusätzliche, ausfahrbare Rollos integriert, um den Künstlern einen größeren Spielraum für die Gestaltung ihrer Präsentation zu ermöglichen. Nach einem ähnlichen Prinzip hätte nun auch ein variabler Vogelschutz mit aufgenommen werden können, welcher die Vögel vor allem in besonders kritischen Zeiten wie während der Aufzuchtzeit, während des Vogelzuges oder in den Abend- und Morgenstunden vor einem tödlichen Anflug bewahrt.

„Wir sind uns durchaus bewusst, dass es sich bei der Neuen Nationalgalerie um eine Architekturikone des 20.Jahrhunderts handelt, die zu Recht unter besonderem Denkmalschutz steht. Allerdings dürfte Mies van der Rohe das Problem Vogelschlag an Glas damals wohl kaum bekannt gewesen sein. Heute, 50 Jahre später, stehen wir einem dramatischen Rückgang der Vogelpopulation gegenüber. Die Gründe dafür sind vielfältig, der Vogeltod durch Glasanprall jedoch ist mit einfachen Mitteln vermeidbar“, so Claudia Wegworth, Expertin für Vogelschutz beim BUND Berlin.
 
Nach Schätzungen der Bundesregierung sterben allein in Deutschland jährlich durch Anprall an Glasflächen und –Gebäuden bis zu 18 Mio. Tiere. (http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/075/1807522.pdf). Fachexperten der Staatlichen Vogelschutzwarten gehen von bis zu 100 Mio. Tieren aus.


„Dieses Problem ist vermeidbar, aber es kann nur gelöst werden, wenn Naturschutz, Architektur und auch Denkmalschutz gemeinsam nach Lösungen suchen“, so Claudia Wegworth.

Der Bauherr hat sich inzwischen auf folgenden Kompromiss geeinigt: Die im Ursprungsentwurf vorhandenen weißen Vorhänge im oberen Pavillon werden wieder rekonstruiert und können somit zumindest an den Gebäudeecken Vogelanprall verhindert. Ein umfangreiches Monitoring wird anschließend zeigen, ob diese Maßnahme ausreicht.

Bis diese Ergebnisse vorliegen, befürchtet der BUND, dass noch zahlreiche Vögel für diesen Nachweis ihr Leben lassen. Und dann noch mal nachgebessert werden muss. Ein Umstand, der durchaus vermeidbar gewesen wäre.


Für Rückfragen:
BUND-Pressestelle, Carmen Schultze    fon: (030) 78 79 00-12
Herbert Lohner,
BUND-Referent für Naturschutz:      fon: 0177 - 78 79 00-4
Claudia Wegworth, BUND-Vogelschutzexpertin fon: 0170-540 77 63

  

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