Die Klimakrise von unten bekämpfen

21. Februar 2023 | Artenvielfalt, Grundwasser, Infrastruktur, Klimaschutz, Stadtnatur, Wasser

Die Geothermie soll in Berlin ausgebaut werden – dabei müssen Klimaschutz und Naturschutz abgewogen werden

Im April will die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz entscheiden, an welchen drei Orten in Berlin die ersten drei Bohrungen für Tiefen-Geothermie durch die öffentliche Hand gefördert werden sollen. 13 Gebiete werden dafür bewertet, eines davon ist die Fläche des ehemaligen Flughafens Tegel. Mit Tiefen-Geothermie ist  allgemein die Nutzung von Erdwärme aus mindestens 400 Meter Tiefe gemeint, in der Regel geht es aber um Distanzen zur Erdoberfläche von mindestens einem Kilometer.

Fachleute wie Daniel Acksel, Leiter des Departments Geosysteme des Geoforschungszentrums Potsdam sehen ein hohes Potenzial, um Berlin klimaneutral mit Wärme und im optimalen Fall mit zusätzlichem Strom zu versorgen, er rechnet mit bis zu 25 %.

Die Berliner Klimaschutzverwaltung sieht das Potenzial der Tiefen-Geothermie wesentlich skeptischer, da es kaum belastbare Daten gibt. Tiefengeothermische Erschließungskonzepte sind in Berlin außerhalb von Wasserschutzgebieten und nur auf Grundstücken mit hinreichenden Platzverhältnissen umsetzbar. Zudem müsse zwischen den einzelnen Bohrungen genug Abstand bestehen, angegeben wird eine Entfernung von rund einem Kilometer, um wechselseitige thermische Beeinflussungen auszuschließen. „Realistisch ist daher, unter optimaler Ausnutzung der bergrechtlichen Bewilligungsfelder, beschleunigter, standardisierter Genehmigungsverfahren und günstiger geologischer Situation in Berlin 15 hydrothermale Anlagen mit einer Gesamtleistung von ca. 50 MWth bis 2035 zu errichten“, so die Verwaltung.

Matthias Krümmel, Fachreferent für Klimaschutzpolitik beim BUND Berlin sieht das deutlich anders: „Sowohl die oberflächennahe Geothermie als auch die tiefe Geothermie müssen in Berlin massiv ausgebaut werden, wenn Energiewende und Klimaschutz zu messbaren Erfolgen geführt werden sollen. Als nahezu emissionsfreie Energiequelle dienen dabei entweder warmes Wasser oder Dampf und die in tieferen Erdschichten stetig zunehmende Umweltwärme selbst, die zu nutzbarer Energie umgewandelt werden. Erzeugt werden Strom, Wärme und Kälte. Optimal werden Kraftwerke bewertet, die mit Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten und völlig unabhängig vom Wetter erneuerbaren Strom und Wärme bereitstellen.“

Nicht erst seit der aktuellen Energiekrise, die zeigt, wie wenig souverän insbesondere die Berliner Energieversorgung dasteht, gerät die Geothermie wieder stärker in den Fokus“, sagt Klimaschutz-Experte Matthias Krümmel. Aus Sicht des BUND darf es kein "geht nicht" mehr geben, denn das Klimaziel erreichen wir eben nicht, ohne weitere erneuerbare urbane Energiequellen aufzutun. Gegenüber berechtigten Naturschutzbelangen ist eine harte politische Abwägung zum Schutzgut Klima zu treffen.

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