Foto: BUND Berlin/Nicolas Šustr
Update 23. Juli 2026: Die Berliner Feuerwehr sieht sich in unserer Pressemitteilung vom 22. Juli 2026 umfangreich falsch dargestellt. Wir dokumentieren hier die uns von der Berliner Feuerwehr übermittelten Darstellungen.
Zur ursprünglichen Überschrift „Feuerwehr blockiert nun auch Tram zur Jungfernheide“ heißt es von der Berliner Feuerwehr: “Diese Aussage ist falsch und entbehrt jeder Grundlage. Vielmehr sind wir an tragfähigen Lösungen interessiert und unterstützen die Bemühungen der Verkehrswende, denn auch wir können unsere Aufgaben nur in einer Stadt mit funktionierenden Verkehrskonzepten erfüllen.”
Der BUND Berlin hält fest: Formal hat die Berliner Feuerwehr keine Befugnis, die Planfeststellungsverfahren anzuhalten. Dennoch treten laut öffentlicher Darstellung von BVG und Verwaltungen bei drei Projekten bereits teilweise jahrelange Verzögerungen im Planfeststellungsverfahren mit Bezug auf die Belange der Feuerwehr bei der Brandrettung auf. Wer genau wo blockiert, ist öffentlich nicht feststellbar. Der Senat darf nicht tatenlos zusehen, wie Ausbau und Erneuerung des Berliner Straßenbahnnetzes vor die Wand gefahren wird. Wenn sich die Blockaden nicht lösen lassen, muss eben eine Senatskommission Straßenbahn nach Vorbild der Senatskommission Wohnungsbau gebildet werden.
Berlin, 22. Juli 2026: Der BUND Berlin fordert zügig den Abschluss einer verbindlichen Vereinbarung mit der Berliner Feuerwehr zu einer Standardlösung für den Umgang mit Ausbau- und Neubauprojekten der Straßenbahn in Berlin. Denn Bedenken der Feuerwehr in Bezug auf die Rettung im Brandfall blockieren nun mit der geplanten Verlängerung der Straßenbahnlinie M10 vom U-Bahnhof Turmstraße zum S- und U-Bahnhof Jungfernheide bereits das dritte Berliner Tramprojekt.
Hierzu erklärt die Berliner Feuerwehr: “Diese Aussage ist falsch. Das angesprochene Infrastrukturprojekt hat bisher noch gar nicht den Stand, in dem die Berliner Feuerwehr eingebunden wird. Von daher hat die Berliner Feuerwehr hierzu bislang auch keine entsprechenden Aussagen getroffen. Von einer „Blockade“ kann keine Rede sein. Zudem ist die Feuerwehr weder Vorhabenträger noch Genehmigungs- oder Entscheidungsbehörde. Unsere Aufgabe besteht darin, die einsatztaktischen und technischen Möglichkeiten der verfügbaren Rettungstechnik aufzuzeigen und die Beteiligten fachlich zu beraten. Entscheidungen über Planung, Genehmigung und Umsetzung von Projekten werden von den jeweils zuständigen Stellen getroffen.”
Das erklärte Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) in einem Interview mit dem Tagesspiegel (€).
Ergänzung BUND Berlin Wörtlich sagt Ute Bonde im Interview: "Da haben sich Themen ergeben hinsichtlich des zweiten Rettungswegs in den Häusern in der Turmstraße. Es muss gewährleistet sein, dass die Feuerwehr ihre Fahrzeuge trotz der Oberleitung aufstellen kann. Da haben wir die gleichen Schwierigkeiten wie in der Sonntagstraße am Ostkreuz."
"Dem genannten Interview lässt sich nach meiner Sicht nicht entnehmen, dass die Verkehrssenatorin die Berliner Feuerwehr als Verantwortliche einer „Blockade“ bei dem inzwischen dritten Tramprojekt bezeichnet oder ihr eine entsprechende Rolle zuschreibt. Vielmehr bestätigt die Senatorin das von uns aufgezeigte Problem”, erklärt Vinzenz Kasch, Behördensprecher der Berliner Feuerwehr.
Sie kündigte auch ein Spitzengespräch zu dem Thema in „absehbarer Zeit“ an.
Der erste bekannte Fall ist das 2017 begonnene und noch nicht abgeschlossene Planfeststellungsverfahren zur Anbindung des Bahnhofs Ostkreuz durch die Umverlegung der Tramlinie 21 auf eine rund 1,2 Kilometer lange Neubaustrecke. Erst nach mehreren Jahren erfolgte hier in einem Spitzengespräch von Verantwortlichen eine Verabredung eine technische Lösung.
Hierzu erklärt die Berliner Feuerwehr: “Nach unserem Kenntnisstand wurde seinerzeit zwar über verschiedene technische Ansätze diskutiert. Eine dauerhaft tragfähige und allgemein anerkannte technische Lösung wurde jedoch nicht vereinbart. Insbesondere wurde ein entsprechender Lösungsansatz bereits vor geraumer Zeit von der zuständigen Technischen Bahnaufsicht verworfen.”
Im Nachhinein wurde deutlich, dass dies jedoch nur eine Verabredung im Einzelfall und keine generelle Vereinbarung war.
Dazu erklärt die Berliner Feuerwehr: “Auch diese Aussage ist nicht zutreffend. Es existiert keine wirksame Vereinbarung, da letztlich keine umsetzbare Lösung festgestellt wurde. Die Formulierung suggeriert eine bestehende Einzelfallregelung, die nicht gegeben ist.”
Ergänzung BUND Berlin: Die letzte öffentlich verfügbare Information dazu entstammt aus einer Antwort vom 15. 12. 2025 auf eine Schriftliche Anfrage des Linke-Abgeordneten Kristian Ronneburg. Dort heißt es: “Das Abschalten der Fahrleitung im betroffenen Speisebereich eines Feuerwehreinsatzes erfolgt grundsätzlich wie bisher im gesamten Straßenbahnnetz per Fernabschaltung der Fahrspannung durch die Technische Leitstelle der BVG. Allerdings soll es im Bereich der Neubaustrecke Ostkreuz mehrere Erdungsschalter als neue Sonderkonstruktion für die Fahrleitungsanlagen geben, die sich durch die Feuerwehr-Einsatzkräfte vor Ort bedienen lassen werden. Damit kann die Hilfsfrist der Berliner Feuerwehr besser eingehalten werden.”
Dass die Lösung wieder verworfen worden ist, war bisher nicht öffentlich bekannt.
Bedenken der Feuerwehr bremsen auch die dringend nötige Streckenerneuerung und den zweigleisigen Ausbau der Straßenbahn in der Adlershofer Dörpfeldstraße aus.
Hierzu erklärt die Berliner Feuerwehr: “Die Feuerwehr „bremst“ keine Projekte aus. Sie weist im Rahmen ihrer fachlichen Beteiligung auf bestehende technische und einsatztaktische Anforderungen sowie die Grenzen der verfügbaren Rettungstechnik hin. Die Bewertung und Abwägung dieser Rahmenbedingungen obliegt den zuständigen Projekt- und Genehmigungsstellen.”
Wie jüngst bekannt wurde, wird die Sanierung der Straße nun vom Straßenbahnprojekt abgetrennt und vorgezogen.
Es sind Zusatzkosten in Millionenhöhe zu erwarten, wenn erst nach der abgeschlossenen Sanierung der Fahrbahn die Straße erneut aufgerissen wird, um das unabweisbare Tramprojekt umzusetzen. Zumal der zweigleisige Ausbau der Strecke zwingend nötig ist, um das in den kommenden Jahren entstehende neue Tramdepot Adlershof in der benötigten Leistungsfähigkeit an das Straßenbahnnetz anzubinden.
Dazu erklärt Katharina Wolf, Verkehrsexpertin des BUND Berlin:
„Der dringend nötige Straßenbahnausbau wird durch eine nicht nachvollziehbare Blockade der Feuerwehr aufgehalten und die Landespolitik hat jahrelang keine Notwendigkeit gesehen, eine generelle Lösung zu finden.
Hierzu erklärt die Berliner Feuerwehr: “Die Bezeichnung als „Blockade“ weisen wir zurück. Die von der Feuerwehr vorgetragenen Anforderungen sind fachlich begründet, wurden den beteiligten Stellen ausführlich erläutert und finden dort Verständnis. Zur Verdeutlichung der Problemstellung wurden in verschiedenen Terminen zudem praktische Übungen durchgeführt, um die einsatztaktischen Grenzen nachvollziehbar darzustellen.”
Es wäre ein wichtiger Verdienst in der ansonsten schlechten Bilanz von Verkehrssenatorin Ute Bonde bei der Stärkung des Berliner Tramnetzes, wenn es nun eine allgemeine und verbindliche Vereinbarung geben sollte. Ob es in den letzten Monaten ihrer Amtszeit noch gelingt, dieses Problem zu lösen, bleibt abzuwarten.
Im Fall der Friedrichshainer Sonntagstraße ist eine technische Lösung gefunden worden, die problemlos auf weitere Fälle angewandt werden könnte.
Hierzu erklärt die Berliner Feuerwehr: “Diese Aussage entspricht nicht unserem Kenntnisstand. Der Feuerwehr ist keine abschließend akzeptierte und umgesetzte Lösung für diesen Fall bekannt. Ein entsprechender technischer Ansatz wurde vor geraumer Zeit von der Technischen Bahnaufsicht verworfen. Daher kann auch nicht von einer problemlos auf andere Fälle übertragbaren Lösung gesprochen werden.”
Ergänzung BUND Berlin: Dass die Lösung wieder verworfen worden ist, war bisher nicht öffentlich bekannt.
Hier muss die Politik ihrer Steuerungsfunktion nachkommen und schleunigst eine zielorientierte Lösung vermitteln.
Beim Ersatzneubau der Autobahnbrücken der A100 im Bereich des Dreiecks Funkturm wurde erheblicher politischer Druck ausgeübt, um Genehmigungsprozesse extrem zu beschleunigen und gesetzliche Regelungen äußerst großzügig auszulegen. Die Umsetzung von Nahverkehrsprojekten wird offensichtlich mit deutlich weniger Nachdruck verfolgt.
Ein neuer Senat muss dringend eine bei der Hausspitze der Verkehrsverwaltung angesiedelte Stabsstelle einrichten, um die zahllosen Blockaden bei Erneuerung und Ausbau der Straßenbahn-Infrastruktur aufzulösen. Unter den gegenwärtigen Voraussetzungen ist zu befürchten, dass auch die Realisierung von weiteren Tramstrecken, wie die Verlängerung der Linie M10 von der Warschauer Straße zum Hermannplatz, aussichtslos ist.“
Hintergrund:
Verantwortliche der Feuerwehr sehen in den entsprechenden Straßen wegen der Oberleitung der Tram die Möglichkeit, den zweiten Rettungsweg für anliegende Wohnhäuser im Brandfall gefahrlos zu gewährleisten, als nicht gegeben an. Die Position der Oberleitung dürfe demnach physisch nicht das Ausfahren des Leitersatzes behindern und ein Stromüberschlag von der Oberleitung auf den Leitersatz müsse ausgeschlossen sein.
Eine technisch umsetzbare Lösung für das Problem gibt es; sie wird in mehreren deutschen Straßenbahnnetzen angewandt und soll dem Vernehmen nach auch in der Friedrichshainer Sonntagstraße umgesetzt werden:
Hierzu erklärt die Berliner Feuerwehr: Wir bitten um Benennung der konkret angesprochenen Beispiele und Standorte. Der Berliner Feuerwehr sind derzeit keine vergleichbaren Fälle bekannt, die die hier diskutierte Problemstellung in identischer Weise lösen würden. Der Feuerwehr ist keine abschließend akzeptierte und umgesetzte Lösung für den Fall in der Sonntagsstraße bekannt. Ein entsprechender technischer Ansatz wurde vor geraumer Zeit von der Technischen Bahnaufsicht verworfen.
Ergänzung BUND Berlin: In einer uns vorliegenden Antwort der Düsseldorfer Rheinbahn heißt es: “Eine technische Alternative zu diesem Vorgehen praktizieren wir in Ratingen: Hier haben wir bauliche Erdungskurzschließer in Form eines Handschalters realisiert, die von der Feuerwehr bedient werden können (inklusive einer Sicherung gegen unbeabsichtigtes Wiedereinschalten). Nach Erdung ist die Abstandseinhaltung zu den spannungsführenden Teilen nicht mehr relevant. Hier wäre dann lediglich zu prüfen, ob der Feuerwehrkorb physisch zwischen den Elementen der Fahrleitung hindurchkommt.”
Retterinnen und Retter können die Oberleitung in baulich beengten Abschnitten selbst stromlos schalten und erden. Der Erfolg wird ihnen vor Ort signalisiert.
Hierzu erklärt die Berliner Feuerwehr: “Nach unserem Kenntnisstand wurde dieser technische Lösungsansatz bereits geprüft und eben vor geraumer Zeit von der Technischen Bahnaufsicht verworfen.”
Ergänzung BUND Berlin: Dass die Lösung wieder verworfen worden ist, war bisher nicht öffentlich bekannt.


