BUND Landesverband Berlin
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Was geht, Honigbiene?

Das befürchtete Bienensterben im großen Maßstab ist bislang ausgeblieben, dennoch bleibt die Lage ernst. Auch weil eine kurzsichtige Landwirtschaftspolitik die biologische Vielfalt gefährdet.

Dass die Farbe ihres Honigs ein bisschen variiert, waren die Imker im elsässischen Rappoltsweiher gewöhnt, aber auf das, was sie im Sommer 2012 ernteten, konnten sie sich keinen Reim machen: olivgrüner Honig, tiefblauer Honig, violetter Honig. Was war passiert? Eine nahegelegene Biogasanlage sollte den Ausschuss einer Schokoladenfabrik verarbeiten, darunter auch Sirup. Die dickflüssige Zuckerbrühe, produziert zum Färben von Smarties, lagerte unter freiem Himmel, wo sich offensichtlich etliche Bienen daran bedienten.

Nicht immer bleibt es bei so harmlosen Folgen, wenn die Bienen etwas mit ihrer Nahrung aufnehmen, was dort nicht hineingehört. Zum Beispiel Neonikotinoide. Mit diesen Insektiziden gebeiztes Saatgut verwendet die Landwirtschaft flächendeckend. Auf Bienen wirken sie in hohen Konzentrationen sofort tödlich, in niedrigeren beeinträchtigen sie die Orientierungs- und Riechfähigkeiten und schwächen das Immunsystem. Ein Zehntel bis ein Drittel der vergifteten Bienen finden nicht mehr den Weg zurück zum Bienenstock. Neben der Honigbiene bedrohen diese Giftstoffe auch Wildbienen, Hummeln und andere Insekten.

Angesichts der enormen wirtschaftlichen Bedeutung der Tiere – mehr als 70 Prozent der wichtigsten Nutzpflanzen sind auf ihre Bestäubung angewiesen – müssten vor allem die Landwirte und Gärtner ein Interesse daran haben, jede weitere Dezimierung zu vermeiden, zumal die in den 70er Jahren in Europa eingeschleppte Varroamilbe den Bienenvölkern schwer zugesetzt hat. Doch die Bauernlobby hält am Neonikotinoideinsatz fest: 17 Milliarden Euro Verlust drohten den europäischen Landwirten innerhalb von fünf Jahren, falls sie auf die Giftstoffe verzichteten. Diese Zahl stammt aus einer Studie, die die beiden größten Hersteller von Neonikotinoiden, Bayer Crop Science und Syngenta, finanziert hatten. Der Einsatz der Gifthersteller hatte Erfolg. Mitte März blockierte die Bundesregierung ein EU-weites Verbot der drei Neonikotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam mit der widersprüchlichen Begründung, einerseits weiche das von der europäischen Lebensmittelbehörde geforderte Verbot strengere Standards in Deutschland auf, andererseits gelte es der Landwirtschaft eine effektive Schädlingsbekämpfung zu ermöglichen. 

Vom Imkersterben zum Bienensterben?

Neben den Insektiziden macht den Bienen der Trend zu Monokulturen in der Landwirtschaft zu schaffen. Vor allem in den neuen Bundesländern, wo landwirtschaftliche Großbetriebe riesige Landstriche bearbeiten, dominiert mittlerweile der Maisanbau für Viehfutter und Energiegewinnung. Um Flächen dafür zu gewinnen, bauen auch in Brandenburg die Bauern 2013 deutlich weniger Sonnenblumen an als noch im Vorjahr. Damit fehlen den Bienen wichtige Trachten.

An einem der gravierendsten Probleme der heimischen Honigproduktion sind die Bauern jedoch unschuldig: Es fehlt an Imkern. Zwar halten bundesweit rund 100.000 Menschen Bienen, doch nur ein Prozent von ihnen tut dies im Hauptberuf; die Zahl der Bienenvölker je Imker geht stetig zurück. Obwohl die Deutschen Weltmeister im Honigverbrauch sind, bringt die Imkerei finanziell kaum etwas ein; gegen die Preise des Importhonigs, der vor allem in Lateinamerika und Asien zu größtenteils für die Erzeuger unfairen Bedingungen hergestellt wird, können die hiesigen Imker nicht konkurrieren. Ohne Imker hat die Honigbiene aber keine Zukunft, schon weil sie die Varroamilbe nicht selbst behandeln kann.

Rettung scheint nun aus den städtischen Gebieten zu kommen, wo die Imkerschaft jünger und weiblicher wird. Anders als frühere Generationen steht für sie weniger das erwerbsmäßige Honigernten als vielmehr das Interesse an der biologischen Vielfalt im Vordergrund. Ironischerweise ist der Honigertrag in der Stadt sogar höher als auf dem Land, den kleinteiligen und abwechslungsreichen Vegetationsstrukturen sei Dank. Das neue urbane Interesse an der Biene steht auch für eine neue Bereitschaft, Verantwortung für die Natur in der nächsten Umgebung zu übernehmen. Diese Entwicklung sollte das Land Berlin unterstützen, indem es Bienenfreundlichkeit zu einem zentralen Feld seiner Strategie für biologische Vielfalt macht. Und Berlin muss über den Bundesrat Druck auf die Bundesregierung ausüben, dem Gifteinsatz in der Landwirtschaft ein Ende zu setzen – damit nicht nur die Berliner, sondern auch ihre Bienen Ausflüge ins Umland wieder genießen können.

Dieser Beitrag erschien in der BUNDzeit 2013-2

Kontakt

Herbert Lohner

Naturschutzreferent
E-Mail schreiben Tel.: (030) 787900-24

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