Foto: BUND Berlin/Nicolas Šustr
Berlin, 5. November 2026:
Dazu erklärt Katharina Wolf, Verkehrsexpertin des BUND Berlin:
„Mit der Straßenbahn verfügt Berlin über ein Verkehrsmittel, das die ideale Antwort auf viele Zukunftsfragen einer lebenswerten und klimagerechten Stadt ist. Allerdings werden die tatsächlichen Möglichkeiten nicht ausreichend genutzt. Hier muss eine neue Landesregierung zügig nachsteuern, um den ÖPNV nicht nur insgesamt attraktiver, sondern auch wirtschaftlicher zu machen.“
Berlin muss stockende Tramplanungen auf Kurs bringen
Zu viele Projekte hängen viel zu lange ohne erkennbaren Fortschritt in der Dauerschleife. Hier müssen klare Verantwortlichkeiten geschaffen und Prozesse etabliert werden, um in angemessenen Zeiträumen zu Lösungen zu kommen. Paradebeispiel ist die Neubaustrecke Tram Ostkreuz, für die das Planfeststellungsverfahren seit neun Jahren läuft.
Neubaustreckenplanungen weiterführen
Die weit gediehenen Planungen für die Verlängerung der Linie M4 vom S-, U- und Regionalbahnhof Alexanderplatz zum Kulturforum durch die Leipziger Straße müssen wieder aufgenommen werden. Auch die ebenfalls in der vergangenen Legislaturperiode „qualifiziert beendete“ Planung für die Neubaustrecke der Linie M17 von Johannisthal in die Gropiusstadt muss wieder aufgenommen werden.
Bus M41 zügig auf Straßenbahn umstellen
Der Korridor der Metrobuslinie 41 durch die Sonnenallee ist an der Spitze der Fahrgastnachfrage. Die bereits laufenden Planungen sollten so weit wie möglich beschleunigt werden. Bereits seit langem ist die Linie vollkommen überlastet – mit hohen Betriebskosten und schlechter Betriebsqualität. Abhilfe kann nur die Tram schaffen.
Senatsbeschluss für Tram nach Spandau fassen
Es muss endlich Schluss sein mit den jahrelangen Verzögerungen beim Ausbau der Straßenbahn nach Spandau. Die Tram ist die einzig realistische Option, um Qualität und Kapazität des ÖPNV in absehbarer Zeit auf ein verkehrswendetaugliches Niveau zu heben. Weder Magnetschwebebahn, Seilbahn oder U-Bahn können das leisten.
Neubaustrecken mit guter Vernetzung planen
Bei mehreren Neubaustrecken soll nach aktuellem Stand auf die Anbindung von Schnellbahnstationen verzichtet werden. So bei der M2, die nicht den S-Bahnhof Blankenburg erreichen soll und der M13, die auf halbem Wege zum Ostbahnhof enden soll. Das mindert die Attraktivität des ÖPNV insgesamt und reduziert Wirtschaftlichkeit sowie Verlagerungspotenzial zum Umweltverbund. Zudem werden Potenziale für eine bis zu 75-prozentige Förderung der Baukosten durch den Bund verschenkt, sollte man sich erst später für eine Verlängerung bis zum Umsteigeknoten entscheiden.
Sanierung des Bestandsnetzes beschleunigen
Seit Jahren hinkt die Sanierung des Bestandsnetzes dem Bedarf hinterher. Rechnerisch müssten rund zwölf Kilometer Gleis pro Jahr erneuert werden. Dieser Wert wird nicht erreicht.
Beschleunigung forcieren
Berlins Straßenbahnen werden seit Jahren immer langsamer. Sie stehen zu oft und zu lange im Autostau oder an roten Ampeln. Die Lösungen sind erkannt und erprobt: Eigene Spuren und Vorrangschaltungen an Ampeln. Berlins langsamste Tramlinie M10 muss den Anfang machen. Das Gröbste könnte in wenigen Monaten geschafft sein.
Leisen und erschütterungsarmen Betrieb voranbringen
Eigentlich ist das Neue Berliner Straßenbahngleis die Regelbauart für Erneuerungen von Bestandsstrecken und Neubauten. Es reduziert Erschütterungen und Körperschall deutlich. Doch immer öfter wird bei Gleiserneuerungen nur sogenanntes Rahmengleis verbaut. Es ist kürzer haltbar und weniger vom Untergrund abgekoppelt.
Ausführlichere Erläuterungen zu den einzelnen Punkten finden Sie im Beitrag auf unserer Seite Umweltzone Berlin.


