Klimakiller Auto

Das Zeitalter des Automobils geht zu Ende. Spätestens bis Mitte des Jahrhunderts muss die Wirtschaft komplett frei von den fossilen Brennstoffen Kohle, Öl und Erdgas (kurz: dekarbonisiert) sein, sonst ist der Klimawandel nicht mehr zu stoppen. Somit hat auch der herkömmliche Verbrennungsmotor keine Zukunft mehr. In Berlin muss sich die Zahl der mit Benzin, Diesel oder Erdgas betriebenen Fahrzeuge nun jedes Jahr verringern.

Der technische Fortschritt in der Autoindustrie hat für das Klima weltweit und in Deutschland recht wenig gebracht. Obwohl die Motoren heute im Prinzip weniger Sprit brauchen als in den letzten Jahrzehnten, gehen der Energieverbrauch und damit verbunden der CO2-Ausstoß im Straßenverkehr nicht oder allenfalls minimal zurück – im gesamten Verkehrssektor steigen sie sogar aufgrund des überhandnehmenden Luftverkehrs. Auf der Straße gehen alle Effizienzgewinne verloren, weil mehr und größere Autos auf immer längeren Strecken unterwegs sind. In Berlin sanken die CO2-Emissionen des Straßenverkehrs seit 1990 lediglich um 1,9 Prozent. Der Schienenverkehr stieß im selben Zeitruam hingegen 48,8 Prozent weniger Treibhausgase aus. Daraus folgt: Autos und Klimaschutz passen nicht zusammen. Wir müssen also möglichst viele Fahrten vermeiden oder auf die Verkehrsmittel des sogenannten Umweltverbunds (Busse und Bahnen, Fahrrad, Füße) verlagern und den kleinen, unvermeidlichen Rest mit alternativen Antrieben abwickeln. 

Abkehr von der autofixierten Stadt

Zugegeben, viele Maßnahmen zur Reduzierung des klimaschädlichen Autoverkehrs müssen auf europäischer und auf Bundesebene ergriffen werden: ambitionierte CO2-Grenzwerte, Reform der Kfz-Steuer, Angleichung der Dieselpreise, Abschaffung des Dienstwagenprivilegs. Aber auch die Berliner Stadt- und Verkehrsplanung kann und muss tätig werden, indem sie die Alternativen zum Autoverkehr attraktiv macht: mehr Platz für Fuß- und Radverkehr, Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Auf keinen Fall darf man durch den Bau neuer Straßen und Autobahnen zusätzlichen Autoverkehr generieren. Und muss man den Klimakillern auf vier Rädern wirklich kostenlosen Parkraum zur Verfügung stellen? 

Weniger Tempo = weniger CO2

Um den Treibhausgasausstoß kurzfristig zu senken, helfen die gleichen Maßnahmen, die auch gegen Lärm, Feinstaub und Stickoxide greifen. Geschwindigkeitsbegrenzungen sorgen für niedrigeren Spritverbrauch und verstetigen den Verkehrsfluss. Der BUND fordert deshalb Tempo 30 auch auf den Hauptstraßen. Abseits der großen Verkehrsachsen sollen vermehrt Spielstraßen und verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche für Geschwindigkeiten von weniger als 30 km/h sorgen. 

Was Berlin tun muss

Das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK) hat zwar eine sehr ambitionierte Liste von Maßnahmen. Es leidet jedoch darunter, dass besonders wirksame Maßnahmen, wie zum Beispiel eine Zero-Emission-Zone, erst langfristig vorgesehen sind. Als kurzfristige Maßnahmen hat der rot-grün-rote Senat aber nur solche in das BEK aufgenommen, die ohnehin schon umgesetzt werden; etwa einen höheren Etat für den Radverkehr, der auch im Mobilitätsgesetz steht. 

Vorbild öffentliche Hand?

Tausende Fahrzeuge rollen jeden Tag im Auftrag der Öffentlichkeit durch Berlin. Doch abgesehen von der BSR dominieren herkömmliche Diesel- und Benzinfahrzeuge die Fuhrparks der Behörden und öffentlichen Unternehmen. Dabei eignen sich große Flotten besonders gut zum Umstieg auf Elektrobetrieb. Abgesehen von den Einsatzfahrzeugen von Polizei und Feuerwehr, die rund um die Uhr zuverlässig fahren können müssen, legen die Autos der öffentlichen Einrichtungen überschaubare Entfernungen innerhalb der Stadt zurück und können nachts aufgeladen werden.

Der BUND fordert vom Land Berlin, seiner Vorbildfunktion nachzukommen und mit der Umrüstung der öffentlichen Fuhrparks auf alternative Antriebe der Elektromobilität jenen Schub zu geben, den die Bundesregierung mit der Kaufprämie vergeblich versucht auszulösen. Noch klimafreundlicher und günstiger wäre es, den Beschäftigten im öffentlichen Dienst endlich Dienstfahrräder statt Autos für dienstliche Fahrten zu stellen. Neben herkömmlichen Fahrrädern brauchen die öffentlichen Fuhrparks Pedelecs und Lastenfahrräder.

Kontakt

Martin Schlegel

Referent für Verkehrspolitik
E-Mail schreiben Tel.: (030) 787900-17

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